Hochtour auf das Rheinwaldhorn

September 22, 2012

Zumindest in meinem engeren Bekanntenkreis dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass ich mal wieder eine neue Leidenschaft entdeckt habe: Hochtouren. Besonders schön daran ist, dass die anderen Lieblingsbeschäftigungen deshalb keineswegs zurückstecken müssen, viel mehr ist es die perfekte Verbindung des Bisherigen: Die Kondition, die ich mit schwerem Gepäck auf Mehrtagestouren aufbaue, die Überwindung, die ich durch das Klettern gelernt habe und die Körperbeherrschung durch das viele Bouldern, kommen bei Besteigungen von hohen Bergen natürlich zu gute. Zum Auftakt unserer sechswöchigen Auszeit in den Alpen bestieg ich also den höchsten Gipfel des Tessins, das Rheinwaldhorn. Der Gletscher hat sich, bis auf einen großen weißen Teppich am Gipfel, inzwischen sehr zurückgezogen, was die Besteigung von der Läntahütte ziemlich gefährlich macht. Wir entschieden uns für die weniger anspruchsvolle Variante und stiegen von Hinterrhein zur Zapporthütte auf und am nächsten Tag die restlichen 1200m bis zum Gipfel. Um nicht auch noch den etwas langwierigen Hatsch von Hütte zum Parkplatz am Gipfeltag machen zu müssen, quartierten wir uns gleich für zwei Nächte ein. Sicher eine gute Entscheidung.

Erfreulicherweise haben mich die Bergfeunde.de im Laufe des vergangenen Jahres ziemlich gut für solche Aktionen ausgerüstet: Die Hardshell-Hose von VauDe mit integrierten Gamaschen und Verstärkungen an den Innenseiten ist für solche Einsätze nahezu perfekt, zu der sowieso sehr hochwertigen Jacke von Haglöfs muss man ja nicht mehr allzu viel sagen, die Polartec-Handschuhe von Black Diamond sind für kleine Touren wie diese auch noch ok (bei zu langer Kletterei werden sie zu nass) und – ganz neu dazugekommen – die Zwölfzacker und der Pickel von Petzl. Die Steigeisen erwiesen auch auf dieser Tour wieder hervorragende Dienste, das Anlegen ist schnell erledigt und der Halt einwandfrei. Der Pickel ist leicht, zu großem Einsatz kam er aber bei dieser Tour nicht.

Der Weg führt anfangs fast eine Stunde lang durch ein großes Schießgebiet, inklusive Panzern und durchlöcherten, 20cm dicken Zielscheiben aus Metall. Danach wird der Weg abwechslungsreich, wenn auch teilweise etwas seltsam angelegt. Häufig an Drahtseilen geht es durch Wasserfälle und Bäche, zwar ständig bergauf und bergab, aber ohne ordentlichen Gewinn an Höhe. Den bekommt man erst im letzten Drittel des Weges, während der noch schmale Rhein immer wilder wird, je weiter man in das Tal gelangt. Die Zapporthütte liegt wunderschön auf einem kleinen Vorsprung, ein Wasserfall dient als Dusche, Wasser gibt es aus dem Brunnen vor der Haustüre, Licht aus der Solarzelle. Man möchte glatt mit den Hüttenwarten tauschen, nicht zuletzt wegen den zwei herzzerreissend liebenswerten Hunden…

 

 

Der nächste Tag begann mit einer Enttäuschung: Dichter Nebel hüllte die Gegend ein. Wir starteten dennoch um halb sieben und brauchten eine Stunde bis zum Ende des Tals – hier entspringt der Rhein, genauer gesagt einer seiner Zuflüsse, der Hinterrhein. Mit den ersten Höhenmetern die wir machten, gelangten wir über die Wolkendecke und es bot sich ein wirklich atemberaubendes Panorama. Leider machte ich hier eine Langzeitbelichtung eines Baches und vergaß, die Belichtung (-5) wieder zurückzustellen.

  

Sämtliche folgenden Fotos waren entweder schwarz oder total unterbelichtet. Es ist mir ein Rätsel, wie mir das so lange nicht auffallen konnte, aber ich war wohl sehr auf den anspruchsvollen „Weg“ konzentriert. Der führte nämlich gut 1.000 Höhenmeter teilweise steil durch grausligstes Geröll, erst noch einigermaßen passabel an einem Bach entlang, anschließend wurden die Blöcke immer größer, aber nie so groß, dass man bei den Steinen sicher sein konnte, dass sie sich nicht plötzlich bewegen würden. Die letzten 200 Hm zum Grat waren dann nur noch lose aufeinanderliegende Platten, die die volle Konzentration forderten. Endlich am Grat angekommen, begann Kletterei im ersten Schwierigkeitsgrad – aber natürlich weiterhin durch/über Blöcke, nur waren sie dort so groß, dass die meisten fest waren. Zum Abschied von diesem Teil wurde es noch kurz etwas ausgesetzt, bevor wir an einem großen Steinmännchen die Gletscherausrüstung anlegten. Wir waren schon über 4 Stunden unterwegs, wenn auch mit einigen Pausen.

 

 

Eine entgegenkommende Seilschaft warnte uns noch vor mehreren Spalten – er habe in den letzten 10 Jahren dort noch nie welche gesehen… Dennoch ging das Stück gut, der Schnee war hart und einfach zu gehen. Auch der letzte steile Gipfelaufschwung ging ohne Probleme und so standen wir kurz vor 12 bei bestem Wetter auf dem Gipfel. Gipfelfotos gibt es leider auch nur ein paar total unterbelichtete, aber die Aussicht war dennoch wunderbar. Der Abstieg ging schnell und während die anderen noch die Steigeisen verstauten, bemerkte ich endlich die falsche Kameraeinstellung. Da der Rückweg sowieso der selbe war wie der Aufstieg, gibt es zumindest von diesem Teil noch ein paar passable Bilder. Nur vom Gipfel eben keine, so was Blödes….

Der Rückweg war jedenfalls mindestens genauso anstrengend, vor allem für den Kopf, denn der weglose Abstieg forderte noch einmal die ganze Konzentration. Die Geröllfelder kamen uns ewig vor, genauso wie das letzte Stück zurück zur Hütte. Die Hüttenwirtin empfing uns mit vier kühlen Bier und abends noch mit gutem Essen, das ließ uns den Schmerz in den Knien natürlich viel schneller vergessen. Die Nacht begann für uns früh und endete verhältnismäßig spät: Erst nach acht Uhr machten wir uns auf den Weg zurück in die Zivilisation. Das Tal verabschiedete uns mit Nebel, der im Moment als wir auf den Schießplatz zurückgelangten, noch kurz aufriss und einen letzten Blick zurück auf die Gletscherfelder zuließ. Mit einer kleinen Pause mitten auf dem Schießplatz schafften wir auch noch den letzten Hatsch zurück zum Auto – für die anderen das Vehikel zurück zu Dusche, Küche, Kühlschrank und richtigem Bett, für mich eher das zurück zu meinem eigenen Auto, das die nächsten 5 Wochen unser Zuhause sein wird. Ich freu mich drauf!

 

An dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches, monumentales Dankeschön an die Bergfreunde für die wirklich gute Zusammenarbeit innerhalb des letzten Jahres.

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1 Comment

  • Reply erika September 26, 2012 at 1:46 pm

    Ja, war eine schöne Tour. Allerdings ist mein Bedarf an Steinen derzeit gedeckt.

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