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Testbericht: Spinx Q Jacket von Haglöfs (Women)

19. Juni 2012 · ulligunde

500 Euro. Das sind 50 Euro mehr als mein Auto gekostet hat. Oder 200 Euro mehr als mein Laptop. Und für 500 Euro bekommt man locker zwei Paar gute Wanderschuhe, eine Jahreskarte für die Boulderwelt in München oder Essen für zahlreiche Monate. (und ja, ich sehe auch hier wieder meine Mutter mit weit aufgerissenen Augen, wie sie… na, ihr wisst schon.)

Ein sehr dünnes, fragil wirkendes Stück Stoff gegen ein halbes Jahr Essen. Hallo? Ich bin versucht zu rufen: „In was für einer Welt leben wir?!“. Offensichtlich in einer, in der wir Konsumenten uns von einem schicken Design und einer toll klingenden Produktbeschreibung so beeindrucken lassen, dass wir (ich?) sämtliche rationalen Argumente einfach mal schnell verdrängen. Immerhin geht es ja nicht nur um ein dünnes, fragil wirkendes Stück Stoff, es geht viel mehr um ein blaues Textilwunder, dass unglaublich leicht, erstaunlich robust und einfach todschick ist: die Spinx von Haglöfs, eine dreilagige Pro-Shell-Jacke für das Extreme.

Ich selbst bezeichne mich keinesfalls als extrem, aber meine Anforderungen an die Jacke waren dennoch hoch. Sie musste

-          wasserdicht sein, auch über mehrere Stunden und Tage

-          eine große Kapuze haben, die den Regen optimal abhält, aber auch nicht behindert und bestenfalls über den Kletterhelm passt

-          möglichst leicht sein, da es beim Trekking auf jeden Gramm ankommt

-          Kleinigkeiten wie Unterarmbelüftung, Zwei-Wege-Reißverschluss und eine Signalfarbe besitzen

-          zu guter Letzt das ausschlaggebende Kriterium erfüllen: Die Jacke musste aus drei Lagen bestehen, da nur diese Art von Konstruktion der extremen Belastung von schweren Rucksäcken standhält.

Nichts leichter als das, oder? Da mir die eigene Recherche im Internet zu aufwändig war, wandte ich mich an den Service von den Bergfreunden, mit dem ich bisher immer erstklassige Erfahrung gemacht habe. Die Antwort kam schnell und war eindeutig: Entweder die Directalpine „Guide“, mit 300€, erstklassigen Testberichten aber fragwürdiger Optik oder die Spinx von Haglöfs mit fast 500€, wenigen Testberichten aber einem genialen Design.

Lange habe ich versucht mir einzureden, dass es auf die Funktion, nicht auf die Optik ankäme.  Frauen! Das Argument hat weder bei meiner Daunenjacke noch bei meiner Kletterhose gezogen –natürlich bestellte ich die Haglöfs. Sämtliche Vergünstigungen, Rabatte und Gutscheine wurden gezückt und ein paar Tage später lag sie bei mir im Zimmer.

Der erste  Eindruck

Wow, was für ein schickes Ding! Sie sieht einfach klasse aus, tolle Farben, tolle Farben, tolle Farben!! Der Schnitt ist leider für kleine Mädels (1.66m) nicht soo gut, sie fällt einfach nicht so schön, aber das ist bei mir mit jeder Jacke so. Naja..  Was im ersten Moment auch noch sehr ungewohnt auffällt, sind die extrem dünnen Ärmel auf Höhe der Achseln. Anfangs ist es richtig ungemütlich, aber man gewöhnt sich dran, inzwischen fällt es mir nicht mehr auf. Und als wäre das nicht genug an negativen ersten Eindrücken, hakt der Reißverschluss auch noch. Ich schaffe es selbst jetzt nach fast einem Monat nicht, ihn auf einmal zu schließen. Es liegt nicht mal daran, dass sich Stoff „reinfrisst“, viel mehr ist die Jacke einfach so störrisch. Und beim Ausziehen klemmt der Zipper auch häufig ganz unten. Unpraktisch, aber mit der Zeit bekommt man langsam den Dreh raus. Lange nicht perfekt, aber ok.

„Zurückschicken!!“, würde ich sofort sagen. Ja, ich habe einen Moment darüber nachgedacht, aber so schlimm sind die Probleme dann doch wieder nicht… Ansonsten macht die Jacke nämlich einen wirklich hochwertigen Eindruck, alles ist einwandfrei vernäht, man findet wirklich keine Macken. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie unglaublich leicht sie ist, wie gemütlich der Kragenschutz, wie robust sie bei genauerer Betrachtung ist und wie intensiv die Farben sind.

Regenschutz

Meine letzte Jacke (Jack Wolfskin) hatte außen eine Stoffschicht, die sich bei Regen voll Wasser sog. Insgesamt war sie dank Gore-Tex zwar wasserdicht, aber die nasse Schicht speicherte die Kälte, machte sie schwerer und trocknete langsam. Bei der Spinx perlt das Wasser an den meisten Stellen ab, nur am Arm ist eine Stoffschicht, die sich minimal mit Wasser vollsaugt. Minimal. Die monströse Kapuze schützt wirklich vor jeglichem Wasser und hält es auch gut davon ab, in den Kragen reinzutropfen. Angeblich soll sich die Kapuze sogar bei Kopfbewegungen mitdrehen – das konnte ich bisher nicht beobachten. Falls da jemand einen Tipp hat, freue ich mich auf Hinweise!

Komfort

Der erste richtige Einsatz war dann auf dem violetten Via Alpina bei Garmisch. Die Jacke bietet erstaunliche Bewegungsfreiheit und ist durch das geringe Gewicht quasi gar nicht richtig da. Der Wind wird durch den hohen Kragen, die Kapuze und den langen Schnitt perfekt abgehalten und in Kombination mit meinem PowerStretch 66°North-Pulli fror ich nie. Hatte ich sie gerade einmal nicht an, wanderte sie einfach in den Rucksack, wo sie kaum Platz wegnahm. Das ist schon sehr nahe an meinen Wunschvorstellungen!

Fazit

Die Spinx von Haglöfs ist nicht perfekt, aber die negativen Punkte werden durch viele überzeugend positive Aspekte ausgeglichen. Das bemerkenswert geringe Gewicht, die Robustheit und die unschlagbare Optik sind die größten Vorteile. Wer etwas rationaler als ich ist, sollte aber eventuell doch die Jacke von Directalpine einmal anprobieren. Sie mag möglicherweise auch nicht perfekt sein, aber so bliebe noch Geld für ein Stück Auto oder einen Halbjahreseintritt in die Boulderwelt. Naja, oder für ein richtig gutes Rumpsteak mit gutem Wein. Sehr viel gutem Wein, wohlgemerkt.

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Posted In: Ausrüstung und Erfahrung, Produkte outdoor
Tagged: Bergfreunde, blau, Haglöfs, Klettern, pro shell, Produkttest, Regenjacke, Spinx Q Jacket, Test, Testbericht, Trekkingjacke, Women

Kommentare

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  1. drahreG
    20. Juni 2012 Reply

    Sowas, 500 Euro! Ist wohl das “H” über dem Firmenlogo schuld. Sorry, meine Uvex Jacke hat den höchsten EN- Wasserrückhalte- Level und ist drei mal billiger zu haben. Arbeiter im Freien tragen die auch. Nachteil: Sieht etwas schlicht aus, eignet sich darum nicht für den Gebirgs- Mode- Laufsteg und wiegt mehr. Aber das “H” kümmert sich auch um Menschen- und umweltgerechte Herstellung. Geht ja nicht anders, bei dem Preis.

  2. Michael
    21. Juni 2012 Reply

    Bzgl mitdrehender Kapuze – sollte funktionieren wenn den Spanngummi um die Stirn fest genug macht. Dann hat man die Kapuze zwar auf wie einen Hut aber man gewöhnt sich daran :) Zumindest ist das so bei meiner Pro-Shell von Mountain Equipment die wo ichs gekauft hab die etwas preisgünstigere Variante von der Haglöfs war.

  3. laviajera08
    5. Dezember 2012 Reply

    Hallo. Ich habe diese Jacke auch gerade bei mir zu Hause liegen und überlege, ob ich sie behalten soll. Bei mir ist das wichtigste Kriterium, dass sie 3 Lagen besitzt. Nun finde ich die blaue natürlich auch viel schöner, allerdings bietet Globetrotter genau diese Jacke gerade in schwarz für 249€ an. Ich finde den Reißverschluss unter den Achseln eher unangenehm, zumal es insgesamt in dem Armbereich eher eng ausfällt. Trotzdem meine Frage: für den Preis von knapp 250€, ist sie sehr empfehlenswert? Ich kann mich nur schwer entscheiden :-( Danke!

    • ulligunde
      5. Dezember 2012 Reply

      Hi Cosi,

      ich fand den Armbereich anfangs auch zu eng, allerdings habe ich mich extrem schnell dran gewöhnt. Das Problem bei schwarz ist halt der Einsatzbereich. Ich persönlich versuche gerade bei Jacken und Rucksäcken für den alpinen Einsatz immer, Signalfarben zu kaufen. Eine schwarze Person ist viel schwerer zu finden als eine knallbunte – auch im Schnee. Mal davon abgesehen, dass bunte Klamotten auf Fotos einfach besser aussehen, aber das ist ein sehr persönliches Kriterium ;-)

      Bezüglich der Funktion wäre möglicherweise die GUIDE JACKET von DIRECTALPINE eine Alternative, wobei ich jetzt grad gesehen hab, dass die inzwischen auch teurer ist. Die gabs mal für 299€, wenn ich mich nicht irre. Hier ein Testbericht: http://www.aufundab.eu/content/directalpine-guide-jacket . Allerdings finde ich, dass sie optisch einfach nicht mit der Spinx mithalten kann… Von den Funktionen und vor allem vom Preis-Leistungs-Verhältnis allerdings allemal.

      Abschließend: Nach knapp nem halben Jahr mit der Spinx würde ich sagen, dass es sich lohnt, auch noch andere Jacken in Betracht zu ziehen, denn für den regulären Preis ist das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gut genug. Ich hoffe das hilft Dir irgendwie weiter?

      • ulligunde
        5. Dezember 2012

        Nachtrag: Das Outdoor-Magazin hat aktuell auch einen Test dazu. Bei solchen Magazinen weiß man halt nie, wie viel Meinung da echt und wie viel verkauft ist…:
        http://www.outdoor-magazin.com/test/jacken/outdoorjacken-im-test-2012-dreilagenjacken.703116.3.htm

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