Lern halt! (Perrenoud, Klein Bielenhorn)

September 19, 2015

Noch während des Zustiegs waren wir unentschlossen, was wir an unserem ersten Tag am Furkapass („little Chamonix“!) klettern wollten. Hannibalturm? Die berühmte Galengratverschneidung? Was am Chli Bielenhorn? In ersterem sahen wir schon von weitem Scharen an Kletterern und die Galengratverschneidung lag noch lange im Schatten. Zwei nette Franzosen/Spanier/Schweizer schenkten uns nach einem ausgesprochen sympathischen Gespräch kopierte Topos („isch drücke intzwischän immär tswaai Topos auss – man wais ja ni, wäen man so triffd!“) und machten die Entscheidung fix. Die schwerste Route also direkt als erste Tour. Wer braucht schon Eingewöhnung!

Ein paar Stunden später. Der erste Blick auf die große Wand des Chli BIelenhorn. Zahlreiche Klettertouren durchziehen dieses feine Stück Fels.Die erste Crux-Länge dieser Tour war wirklich easy. Motiviert und womöglich etwas überheblich steige ich in die nächste ein – so schwer wird’s schon nicht werden! Anfangs zieren noch Borhaken den Weg, an einem Dach ist nicht ganz klar, ob drüber oder drunter durch. Ich probiers oben drüber, entscheide mich um, hangle unten entlang. Bin angespannt, lege sicherheitshalber noch einen Friend in den breiten Riss – wohlwissend, dass er Seilreibung verursacht. Aber wenn meine Seillänge ähnlich kurz ist wie die vorangegangene, kein Problem. Ich ziehe ums Eck und bin ziemlich sicher, dass das bestimmt die schwerste Stelle war. Über mir eröffnen sich schöne Risse, die bereitwillig Friend nach Friend aufnehmen. Langsam bekomme ich doch dicke Arme und merke, das mein Gurt inzwischen überraschend leicht ist. Der Seilzug dafür umso stärker. Verdammt, der Friend im Dach hätte nicht sein müssen.

Leer

Lena nach der Abenteuerlänge. Perrenoud, Chli Bielenhorn.Ich klettere weiter, hoffe auf jedem Band auf den Stand. Nichts kommt, bald hängt nur noch eine einsame Exe an meinem Gurt. Damn it. Ich rupfe am Seil, es geht echt schwer. Denke noch an die Lektion von der Cassin (Seilreibung vermeiden!!!) und verspreche mir, künftig Halbseile nicht mehr als Doppelstrang in die Karabiner einzuhängen und noch besser auf den Seilverlauf zu achten. Die Züge in dieser Verschneidung werden anstrengender, weil zum Körpergewicht noch das Seil dazukommt, das nach unten zieht. Nach kurzem Zögern verwende ich die letzte Exe, es hängt jetzt nichts mehr am Gurt. Nichts. Der nächste Stand muss einfach auf dem Band über mir kommen. Muss einfach.

Komm schon…!

Am letzten Stand. Ab hier ginge es in "leichter Kletterei" nach oben. So leicht sieht es für uns nicht aus, außerdem steht die Sonne schon tief. Gute Entscheidung, wie sich nach den zwei Seilhängern beim Abseilen noch herausstellen wird.Komm schon. Stand. Komm schon. Ich klemme mich in die Verschneidung, ziehe erstmal etwas Seil nach, mache einen weiteren Zug, kann über die Kante sehen. Oida leck, da ist er! Stand! Geil! Leider einen Meter über und drei seitlich von mir. Eine diffizile Querung mit einem Seil, das stur nach unten zieht – es gibt schon auch schönere Situationen. Aber alles geht gut und mir entfährt ein erleichterter Seufzer, als ich mich in den Gurt setze. Puh, Abenteuertrip! Nach einigen Minuten kommt Lena hinterher, sichtlich erschöpft. Aber wir haben diese Seillänge beide ordentlich durchgestiegen, das freut uns enorm. Sie meistert noch souverän die letzte schwere Länge, übrig bleibt nur noch was Leichtes oben raus für mich. Die Aussicht ist phänomenal, das Wetter sowieso. Die Tour war durchaus am Limit, aber wir sind oben angekommen und waren den Herausforderungen gewachsen. Wir sind glücklich. Und wirklich stolz.

Facts

Schöne Tour, die anfangs leider recht botanisch ist. Vorsicht beim Abseilen, wir hatten zwei Hänger. Die letzte Seillänge geht in der Originalführe ein paar Meter gradaus hoch und dann rechts in die Verschneidung. Weiter geradeaus durch das Risssystem ist ebenfalls 6a – nicht ganz leicht, aber sehr schön. Wir hatten uns für diese entschieden.

Mit dabei war übrigens neben den recht guten Halbseilen von Petzl (Salsa) auch der Togir Slide Klettergurt von Mammut. Ich bin ja zur Zeit recht exzessiv auf der Suche nach dem perfekten Gurt – gefunden habe ich ihn allerdings noch nicht. Der kleine orangene Rucksack ist auch von Mammut – ursprünglich zwar fürs Trailrunning konzipiert macht er sich in der Vertikalen schon auch ziemlich gut!


Welche Ausrüstung ich bei solchen Touren derzeit dabei habe:
(Die ganze Übersicht gibt’s hier)



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2 Comments

  • Reply Sabrina September 21, 2015 at 1:51 pm

    Woooooohoooooo – Hammer!

  • Reply Der Weg durch den Wacholder (Sei Prophet, Taufenkopf/Zillertal) | ulligunde.com April 12, 2016 at 1:16 pm

    […] perfekt absicherbar“ denke ich persönlich an unsere herrliche Tour am Zervreilahorn oder am Furkapass. Fester Granit, kaum Botanik, perfekte Möglichkeiten für bombenfeste Friends, fast jede […]

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