To be Continued…(Bikepacking Dolomiten)

September 21, 2021

Eine Reise, die perfekter nicht hätte sein können.
Eine Reise, die abrupter kaum enden hätte können.

Blumau bei Bozen, Mitte September
Schweres Herz, große Tränen. Warum tut man sich eigentlich Abschied an? Und weshalb fällt ausgerechnet dieser so schwer?

Das einzig Gute an sowas ist, dass die Traurigkeit erfahrungsgemäß bald verfliegt – es ist nur die Frage, ob nach der ersten Kehre oder nach dem ersten Tag. Ich hoffte auf ersteres und kurbelte los.

Von Bozen zum Karersee

Mein Ausgangspunkt war ein schmale Taleinschnitt nur wenige Kilometer nördlich von Bozen – die Brennerautobahn passt dort nur dank Tunnel in diesen Abschnitt, die reingequetschte Industrie ringt diesem lieblosen, röhrenden Ort zumindest noch einen Zweck ab.

Die Felswände, die still im ersten Morgenlicht leuchteten und mit unberührter Botanik durchzogen waren, erzählten den wenigen, die hinhören wollten, die Geschichte, wie unwegsam, wild und exotisch dieser Ort früher gewesen sein muss.

Grinsen im Gesicht, aber noch nicht im Herz.

Neun Tage allein

Solche Gedanken waren es, die mir durch den Kopf gingen, während ich mich mental nicht nur darauf einstellte, jetzt neun Tage allein mit Fahrrad und Zelt durch die Dolomiten zu ziehen, sondern erstmal den bevorstehenden Vormittag damit zu verbringen, stetig bergan zu kurbeln.

Von Bozen bis zum Karersee und Karerpass. Und dann? Mal schauen. Meine erste Bikepacking-Reise war gekennzeichnet durch einen Zielpunkt, an dem ich ankommen wollte. Die zweite stand unter dem sportlichen Aspekt »was geht?«. Diese nun wollte ich absichtlich möglichst ruhig angehen lassen, sodass viel Zeit bleiben würde, um zu schauen, wahrzunehmen und vor allem zu malen.

Die ersten Höhenmeter liegen hinter mir. Der Blick fällt auf Bozen.

Quo vadis, Ulligunde?

Zu Denken gab es viel. Die Leidenschaft fürs Bergsteigen und Klettern hatte mich zehn Jahre angetrieben und erfüllt, sie hatte mich in meine Selbstständigkeit und zu meinem jetzigen Ehemann geführt. Die fürs Klettern war schon länger immer weniger geworden, die fürs Bergsteigen war abrupt durch Lenas Absturz pulverisiert worden.

Eine Sehnsucht nach dem Gefühl der Leidenschaft, der Herausforderung, der Routine und vor allem nach den Sonnenaufgängen von weit oben blieb, gepaart allerdings mit der Gewissheit, kein Risiko am Berg mehr zu ertragen. Wohin also in Zukunft?

»Ich will genau hier sein«

Umso erfüllender war das Gefühl, das sich immer wieder während meiner vergangenen Radreisen eingestellt hatte. Dieses Gefühl von »ich will gerade nirgends anders sein«. Eines, das vor allem dann auftauchte, wenn Landschaft und Licht besonders schön waren.

Diese Mixtur lässt sich zumindest an einem Ort dieser Welt sehr, sehr leicht reproduzieren: In den Dolomiten mit seinen sanften Wiesen, kleinen Dörfern und mächtigen, gelblichen Felszacken.

Diese Aussichten haben aber gerade per Fahrrad einen Preis: Pässe! Viele Pässe, die sich auf dem Höhenprofil ohne Unterbrechung aneinanderreihen, denn man kann sie schlichtweg nicht umgehen. Nachdem aber das Hahntennjoch bei der vorigen Tour so gut lief und ich dem Fahrrad – oder viel mehr mir – noch eine Kassette mit kleineren Gängen gegönnt hatte, war ich bereit für dieses Abenteuer.

Willkommen in den Dolomiten!

Und so kurbelte ich im Morgenduft immer weiter hinein in die Bergwelt der Dolomiten. Bald tauchte der Schlern auf, wenig später die Erdpyramiden bei Steinegg, nur um dann mit dem ersten WOW in den Schatten gestellt zu werden: Der Rosengarten mit seinen wilden Vajolet-Zacken steckte in einer spektakulären Wolkenstimmung und zeigte schon mal, was mir die kommenden Tage immer wieder passieren würde: Imposante, unvermittelte Aussichten, bei denen man – ich – einfach nur noch stehen bleiben und staunen will. Und das Gute am Reisen mit dem Rad: Genau das ist problemlos jederzeit möglich. Ganz besonders vielleicht, wenn man allein reist.

Der Rosengarten kommt bald in Sicht. Links der Schlern mit kleinem Vulkan.

Karersee

Ich hatte mich auf Touristenmassen eingestellt, aber sofern man nicht damit rechnet, den See allein für sich zu haben oder an dessen Ufer gehen zu können, ist der Schock gar nicht mal so groß. Es blieb sensationell schöner Ort. Und ein idealer für eine erste ausgedehnte Pause.

Die Beine waren gut, das Herz schon längst nicht mehr so schwer. Ein wenig nervös noch – wie das eben ist, wenn man weiß, dass man jetzt eine lange Zeit komplett auf sich allein gestellt ist. Was wohl kommen wird?

Hier geht’s zur Kartenübersicht der ersten Etappe (Bozen-San Pellegrino).

Der Plan

Meine geplante Route führte mich von Bozen in einem weiten (!) Bogen nach Malcesine am Gardasse. Der Mann war dort für zehn Tage beim Fliegen, die Idee war, dass ich acht, neun Tage radeln würde, um dann die letzten Tage noch gemeinsam dem Aperol, der Pizza und dem Leben an sich zu frönen. Ein reizende Verlockung, auf die ich mich unheimlich freute.

Meine Reiseroute würde mich also von Bozen über Rosengarten und San-Pellegrino-Pass zur Civetta und dem Monte Pelmo führen, an dessen Fuß ich unbedingt eine Nacht verbringen wollte. Noch zwei weitere Tage würde ich in Richtung der slowenischen Grenze fahren, um kurz vor Tolmezzo dann abzuschwenken: Über Meduno und Belluno sollte es zurück nach Osten gehen und weil ich unbedingt einmal die Pala-Gruppe sehen wollte, würde ich kurz vor Feltre/Bassano noch einmal nach Norden zum Passo Rolle abbiegen, um dann über Trento und den Molveno-See (Brenta, Cima Tosa!) vollends an den Gardasee zu rollen.

Die Option, dass ich möglicherweise irgendwann genug von Pässen haben könnte, war realistisch, also gab es noch einen Plan B, der mich von Meduno mit weniger Pässen umso schneller zum Aperol bringen würde. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt!

Karerpass – San Pellegrino

Der Karerpass lief jedenfalls noch gut, der Blick auf Langkofel und Pordoi war wie zu erwarten emotional, der Weiterweg zum San Pellegrino-Pass insofern amüsant, weil ausgerechnet dort mit Abstand die dunkelste Wolke hing. Murphy?

Nur wenige Meter vor meinem eigentlich geplanten Übernachtungsort begann es zu regnen und als klar war, dass das nicht so schnell aufhören würde, schlug ich direkt im nahen Wald neben einem gurgelnden Bach mein Nachtlager auf. Baden, heiße Schoki, Abendessen, Malen und ab ins Bett. Die Sonne lugte in mein Zelt, während die letzten Tropfen noch auf das Dach prasselten. Ein guter Tag.

Tag 2: San Pellegrino-Pass – Civetta – Monte Pelmo

Link: Etappe 2 auf der Karte

Früh ging es los. Gewitter waren für Nachmittags angesagt, aber die geplante Etappe war kurz.

Mit heftig hüpfendem Herz ging es die menschenleere Passstraße hinauf, das warme Morgenlicht schien mir in das Gesicht, der Tau stieg in zarten Nebelschwaden aus den Wiesen empor. Um mich, wie immer: Imposante Felsberge. Wer hat eigentlich gesagt, dass man auf Berge hinaufsteigen muss?

Am Pass selbst zog mich der kleine, spiegelglatte Lago Di San Pellegrino in seinen Bann und sorgte dafür, dass ich erst mehrere Stunden später wieder weiterkam. Was für ein Ort!

Eine herrlich lange Abfahrt in Richtung Agordo folgte, bis ich kurze Zeit später plötzlich am Ufer des Alleghe Stausees stand.

Was für ein Klotz!

Und über mir im Dunst: Die Civetta. Was für ein Klotz! Während sich im Süden langsam die ersten Thermikwolken bildeten, war im Norden schon alles tiefschwarz. Die Marmolada versteckte sich in zuckenden Blitzen, während mir auf der anderen Talseite die pralle Sonne die Auffahrt erschwerte.

Meditatives Kurbeln, bloß nicht hoch schauen, denn weit oberhalb sah man, wo meine Straße noch hochführen würde. Immerhin regnete es in allen nördlich gelegenen Kurven, während aber weiterhin die Sonne schien.

Und immer wieder der imposante Blick auf die Civetta – von hier oben glatt noch ein Stück beeindruckender. Wie kühn muss man sein, dort als Erstbegeher einzusteigen?!

Ab zur nächsten Diva

Irgendwann dann die ersehnte Zwischenabfahrt, bevor das Panorama von der nächsten Diva dominiert wurde: Der Monte Pelmo steckte zunächst auch noch im Regen, legte aber für mich sofort die Wolken ab, bis ich an einem herrlichen Picknick-Gelände ankam, dort meinen Kaffee getrunken und fertig genascht hatte.

Die Schleusen öffneten sich mit einem fulminanten, einzigen Donnerschlag noch einmal, scheuchten alle anderen Menschen davon und überließen mir einen herrlich-einsamen Zeltplatz mit Blick auf Pelmo und Bach.

Tag 3: Monte Pelmo – Antelao – Lago die Cadore

Link: Kartenübersicht Etappe 3

Der nächste Morgen begann wieder früh, mit dem ersten Morgenlicht kurbelte ich die letzten Kehren zum Passo Staulanza hinauf. Ich hatte den Pelmo direkt vor mir, selbst die orange strahlende, vergletscherte Marmolada zeigte sich kurz.

Was ich überhaupt nicht auf dem Zettel hatte, war, was mich kurz nach dem Pass erwartete: Die Civetta, diesmal von Ost. Mächtig und riesig, leuchtend im sanften Orange des neuen Tages. Kein Mensch war unterwegs, es war völlig still.

Wie kann etwas so Imposantes, so gewaltig Riesiges, so unfassbar Schönes – wie kann so etwas so still, so friedlich sein? Ein magischer Moment – womöglich der magischste der gesamten Reise.

Perfekt

Mit geschätzt 1947 Fotostops zuckelte ich den Pass hinunter und war mir in diesem Moment ganz klar: Diese Reise ist perfekt. Ich will nirgends anders sein. Und ich freute mich so intensiv wie womöglich bei keiner Trekkingreise vorher darüber, dass mir noch so viele Tage in dieser Landschaft bleiben würden.

Das Wetter würde ab jetzt stabiler werden, die Nächte waren gerade noch warm genug, die Ausrüstung passte perfekt, die Beine auch. Es war nicht nur der perfekte Moment, es war eine perfekte Reise. Und sie war noch lange nicht vorbei!

Passo Cibiana

Über den nahezu gar nicht befahrenen Passo Cibiana ging es in Richtung Monte Antelao, der sich schon längst in dichte Wolken gehüllt hatte. Während es dort, wo ich gestern noch unterwegs war, schon mittags ausgiebig gewitterte, rollte ich breit grinsend in das nächste Tal, das wiederum Blicke in Richtung Tofana und Ampezzo freigab. Wie nah doch alles beieinander liegt!

Unterwegs auf der ehemaligen Bahntrasse

Den restlichen Weg bis zum Lago di Cadore führte meine Strecke dann über eine ehemalige Bahntrasse – plötzlich war ich nicht mehr auf Autostraßen unterwegs, sondern auf einem richtig ausgebauten Radweg – inklusive Tunnel, Sicherheit, international angehauchten Verpflegungsstationen und: Menschen!

Bisher waren mir wenn überhaupt freundlich grüßende, italienische Rennradler begegnet – nun war plötzlich alles voll mit bestens ausgestatteten, wohl riechenden, gemächlich kurbelnden München-Venedig-Radlern. Ein schöner Kontrast und eine geniale Teilstrecke.

Der Donner sagt: Gute Nacht.

Der Stausee hatte wegen geringem Wasserstand seine matschiges Ufer freigelegt, was insofern unrelevant war, weil die ersten Regenzellen ohnehin langsam bis zu mir reichten.

In einem versteckten Waldstück gab es bei einer nachmittäglichen Zeichensession ein paar Kaffees und italienische Leckereien, bevor mich heftiges Donnergrollen und zuckende Blitze abends langsam in den Schlaf wogen.

Morgen würde der vierte Tag sein – Bergfest quasi! Nur noch vier Tage allein – oder, positiv gesagt: Noch fünf Tage, an denen ich diese Landschaft voll in Ruhe erkunden darf!

/

Tag 4: Abbruch

Der vierte Tag begann fröhlich, auch wenn dichter Nebel über dem Tal hing. Heute wartete eine lange Etappe, bei der ich – im Vergleich zu den vergangenen beiden Tagen – möglichst zügig unterwegs sein wollte. Statt endloses Trödeln und Herumentscheiden einfach mal Gas geben. Mit 2.400 Höhenmetern und über 70 Kilometern Strecke war das auch angesagt, speziell falls doch wieder Gewitter kommen würden.

Um gleich ein paar der Höhenmeter hinter mich zu bringen, verlegte ich das Frühstück an den einzigen „Supermarkt“ auf meiner Strecke. Mit Vorfreude auf die heutige Etappe ging es hinauf, kurz wieder bergab, um dann später den restlichen Vormittag nur noch bergan zu strampeln.

Während der Abfahrt rollte ich durch Kies, der im Nachhinein seltsam geklungen hatte und nur wenig später eierte mein Hinterrad seltsam… Oh no… So kurz vor dem Frühstück!! Aber eigentlich egal, ich habe Zeit.

Flicken statt Frühstück

Der Reifen war platt, die Reparaturaktion – immerhin meine erste überhaupt – lief dank der virtuell mitfiebernden Brüder ganz gut und wenig später gab es eine euphorische, stolze Shoppingtour im kleinen Minimarkt des Ortes. Joghurt, frisches Brot, neuen Speck und – Luxus muss sein – eine Dose Fanta, für die sich ganz sicher im Laufe des Tages ein idealer Zeitpunkt finden würde.

Da hatte ich bereits die erste Vorwarnung bekommen, dass zu Hause womöglich etwas nicht stimmt. »Aber keine Sorge, wird schon nicht so schlimm sein!«.

Während des Frühstücks lichtete sich der Nebel, die Sonne erschien, die Weiterfahrt lief gut. Dann irgendwann die Nachricht: »Es ist wohl doch schlimmer…« und wenig später die Entscheidung: Abbruch. Ich muss heim.

Abbruch.

Enttäuscht.
Überrumpelt.
So schnell kann also so eine Reise rum sein!?

Während ich kurzerhand mitten auf der Straße umdrehte, vom kleinsten in den größten Gang schaltete und zurück zum Stausee rollte, haderte ich keine Sekunde mit der Entscheidung. Jetzt fröhlich weiter zu kurbeln, während zu Hause womöglich überhaupt nichts mehr stimmt und ich helfen kann, kam nicht in Frage.

Was will mir das Universum sagen?

Gleichzeitig tat es trotzdem weh, diese perfekte Reise bei diesem genialen Wetter abzubrechen. Natürlich, die Dolomiten stehen noch länger und auch die nächste Radelsaison mit langen Tagen und warmen Temperaturen würde kommen, aber nach all den Rückschlägen des vergangenen Jahres wäre es Zeit gewesen, wenn mal wieder was so richtig klappt.

Wie kommt man schnell heim!?

Es blieb aber noch ein anderes Problem: Wie kommt man aus der friaulischen Pampa am schnellsten zurück in die Zivilisation?! Per Fahrrad!? Ich hatte schon einmal knapp 200 Kilometer am Tag gemacht – allerdings nicht mit 1.800 Höhenmetern im Aufstieg!

Während ich auf dem Weg nach Belluno gegen brachialen Talwind bergab kurbelte, war schnell klar, dass ich heute höchstens noch bis Feltre kommen würde. Wenn überhaupt. Der geflickte Schlauch machte auch nicht ganz so gut mit und überhaupt stemmte sich plötzlich alles gegen ein rasches Weiterkommen.

Es geht nur schnell, wenn es nicht muss…?

Aus ausgelassenem Genießen wurde Stress. Der Ausblick auf das zwischen mächtigen Bergen eingezwängte Bachbett der Piave besänftigte ein wenig, die Durchqerung von Belluno im herrlichen Abend war unfassbar malerisch, das Sausen auf wenig befahrenen, geraden Landstraßen zwischen dem Gebirgszug von Bassano und Feltre sensationell schön.

Spätestens als ich an das wilde Ufer der Piave im letzten Abendlicht rollte, einen perfekten Platz fürs Zelt inklusive Badestelle fand und meine Backup-Fanta trank, war ich versöhnt mit diesem Tag. Landschaftlich eigentlich ein echtes Highlight. Eine bizarre Diskrepanz zwischen Schönheit der Natur und heftiger Sehnsucht, schnell nach Hause zu kommen.

Kartenübersicht: Der Weg nach Belluno

Tag 5: Der letzte Tag

Noch bevor die Sonne vollends aufgegangen war, radelte ich bereits weiter in Richtung Trento. Kein Mensch auf den Straßen, die kühle eines spätsommerlichen Morgens, der Tau auf den Wiesen, das sanfte Licht, die schlafenden Dörfer… Ein versöhnlicher, guter Abschluss einer sensationell schönen Reise, die ich fortsetzen werde, sobald die Zeit dafür geeignet ist.

Kartenübersicht des letzten Tages.

>> Zur Packliste dieser Bikepacking-Tour durch die Dolomiten.

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3 Comments

  • Reply Lotta September 21, 2021 at 10:49 pm

    Liebe Ulligunde,

    danke für den tollen Reisebericht, das klingt wirklich wunderbar und macht Laune, die Sachen zu packen und loszuradeln! Ich hoffe auch, dass zu Hause dann doch nicht zu schlimm geworden ist.
    Was ich mich bei deinen Trekking-Berichten immer frage: Du zeltest meist wild, oder? Ich würde das gerne mal machen aber hab echt Respekt davor. Meine irrationalen Ängste vor Axtmördern oder creepy dudes, die sich neben guten Übernachtungsplätzen verstecken und auf den richtigen Moment (und die richtige Camperin) warten, sind ziemlich ausgeprägt. Wie geht es dir damit, hast du Tipps diesbezüglich? Vielen Dank im Voraus und lg,

    • Reply ulligunde September 22, 2021 at 4:23 pm

      Hi Lotta!

      Bisher war ich ja meist mit dem Zelt weit oben in den Bergen unterwegs – dort habe ich mir immer easy einreden können, dass das für Creepy Dudes zu weit zu laufen ist (… je weiter weg die Stadt, desto geringer die Gefahr?) – das hat ganz offensichtlich bisher immer gestimmt, was mir ein gewisses Grundvertrauen vermittelt hat. Ich muss zugeben, dass ich jetzt bei den Radltouren ein klein wenig mehr darüber nachdenke, weil man doch viel näher an der Zivilisation ist. Ich persönlich achte einfach darauf, dass mich beim Suchen des Zeltplatzes niemand sieht und dass ich das Zelt erst aufbaue, wenn es schon dämmert. Ich fühle mich wohler, je besser versteckt ich bin und versuche stets, irgendwo an Pässen zu übernachten. Andererseits schließe ich einfach von mir auf andere und gehe davon aus, dass 99,5% der Menschen nullkommenull Interesse an irgendeinem Wesen haben, das halt da irgendwo rumhockt. Ehrlich gesagt habe ich insgesamt fast mehr „Angst“ davor, einen Anschiss zu kassieren als vor einer Begegnung mit einem Kriminellen. Sowas kann man aber wahrscheinlich auch nur sagen, wenn man in dem Bereich in keiner Weise vorbelastet ist. Ansonsten einfach auf den Campingplatz gehen oder die erste Nacht zu zweit verbringen. Aber immer dran denken: Keinerlei Spuren hinterlassen, kein Lärm, kein Feuer und mit dem ersten Licht wieder verschwunden sein!
      Liebe Grüße!
      Erika

  • Reply Anja September 24, 2021 at 11:38 am

    Liebe Erika,
    mal wieder eine aufregende Reise. Es freut mich immer, von Dir zu lesen, zumal wenn es über Regionen geht, in denen ich auch war oder um Tätigkeiten, die ich auch mache. Insbesondere dieser Satz „Wer hat eigentlich gesagt, dass man auf Berge hinaufsteigen muss?“ hat es mir angetan, weil er mich sehr erinnert, an das, was mir in den letzten Jahren so widerfahren ist. Ich war auch viele Jahre sehr intensiv AUF den Bergen, ein Tag war nur ein erfüllter Tag, wenn ich AUF – meist einem möglichst anspruchsvollen – Berg war. Und dann wurde alles anders und ich bin aufs Radfahren teilweise umgestiegen wenn auch bislang ohne Zelt. Das ist ein ganz anders Vorankommen und man darf lernen, dass die Natur auch unten schön ist. Nicht nur aus der Vogelperspektive. In den Dolomiten – bei der Civetta und noch südlich davon war ich auch erst dieses Jahr mit dem Rad, was besonders war, dass es so viel weniger touristisch war, als befürchtet, selbst wenn es mitten im August war. Ich wünsche Dir, dass die dich zuhause erwartenden Sorgen nicht allzu groß waren und dass Du Deine Reise bald fortsetzen kannst, vielleicht im neuen Jahr. Es liegt wohl einfach an der Lebenszeit, dass das Leben auch nicht nur positives mit sich bringt, umsomehr muss man Tage voll Sorglosigkeit wenn es sie gibt genießen. Dir weiterhin alles Gute!
    Die Berge vom Tal betrachtend und auch mal wieder von oben, es müssen ja nicht immer die großen Ziele sein. Herzliche Grüße – Anja

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