Besser klettern: In den siebten Grad

Mai 19, 2016

Du beherrschst den sechsten Grad ganz gut und möchtest endlich auch eine Sieben knacken? Nichts leichter als das! Voraussetzung dafür ist, dass Du bereits viele Sechser geklettert bist. Du solltest zunächst diese Bewegungsgrundlagen lernen, um sicher im siebten Grad unterwegs sein zu können. Wenn Du gerade eine 6+ geschafft hast und jetzt Siebener klettern können willst, klappt das womöglich sogar, wenn Du zufällig eine Tour findest, die Deinen Stärken entspricht und du Sie ein paar Mal genau „lernst“. Cooler wäre es aber doch, wenn du künftig irgendwann Siebener onsight, also direkt im ersten Versuch klettern könntest, oder? So erreichst Du das:

Viel klettern

Jeden Tag Rottachberg...Ja, dieser Tipp zieht sich durch alle Grade durch. Klettere viele Touren, die du gerade noch schaffst, um dem nächsten Grad ordentlich gewachsen zu sein. Klettere sie auch im Vorstieg, denn spätestens jetzt solltest Du beginnen, Dich dieser Angst auszusetzen, um Dir nicht den Kopf zu verbauen und Deinen Körper daran zu gewöhnen, dass Vorstieg nichts Schlimmes ist. Probiere immer wieder mal einen Siebener, um die Bewegungen dieses Schwierigkeitsgrads kennen zu lernen – notfalls auch im Toprope, kein Stress. Klettere auch mal mehrere Touren hintereinander oder im Toprope rauf und wieder runter. Das schafft eine gute Grundlage für die Ausdauer. Wähle eine Tour, die du gut schaffst, aber auch keine, die zu leicht ist – sonst ist die Fingerhaut schneller durch als Deine Kraft.

Du kannst auch das sogenannte Pyramidentraining machen: Starte mit einer schweren Tour (nahe an Deinem Limit), klettere direkt danach eine Tour, die ungefähr einen Grad leichter ist und danach noch eine, die nochmals einen Grad leichter ist. Jeweils ohne Pause. Am besten bis Du wirklich gar nichts mehr festhalten kannst. Dein Freund hält Dir abends dann sicher die Zahnbürste 😉

Trainiere Körperspannung

Körperspannung ist einfach nur gut! Es trainiert den ganzen Körper, sorgt für hübsche Bauchmuskeln und unterstützt Dich enorm beim Klettern. Yoga ist da natürlich eine rundum gute Sache, aber es gibt auch isolierte Übungen, die deine Spannung trainieren. Im Buch „Gimme Kraft“ von den Jungs vom „Café Kraft“ (Affiliate Link) gibt es zahlreiche Ideen dazu.

Stürze!

Klettern im Allgäu...Ohja, das liebe Sturztraining. Es hilft einfach so viel, denn bei Anfängern ist es ganz häufig nicht die Kraft, die limitiert, sondern der Kopf. „Den nächsten Zug schaff ich nicht!“, „die nächste Exe ist soo weit weg!“, „wenn ich jetzt stürze, dann…!“. Alles Gedanken, die einen beim Klettern einschränken. Übe häufig stürzen, am besten bei jedem Aufwärmen. Mit der Zeit wird Stürzen – zumindest in der Kletterhalle – völlig normal. Versprochen! Auch der Kopf kann trainiert werden!

Übe weite Züge

Dieser Tipp richtet sich vor allem an uns Zwergenmädels. Keine Ahnung, ob Männer (aka große Menschen) jemals irgendwo weite Züge machen müssen – gefühlt ist dem nicht so 😉 Es hilft auf jeden Fall, weite Züge zu üben – und zwar auf verschiedene Arten. Via Untergriff, Seitgriff, Frontal, eingedreht…. Diese Züge lassen sich am besten im Boulderbereich üben. Dadurch trainierst Du auch gleichzeitig Deine Blockierkraft, die Dir grundsätzlich hilft. Körperspannung unterstützt hier übrigens auch enorm, nicht nur im Überhang!

Komm runter!

Übe weiterhin, an möglichst vielen Griffen den Puls und die Atmung in den Griff zu bekommen. Gut stehen, Arm lang, Arme ausschütteln – und wenn es nur kurz ist! Hibbelig klettern ist nie gut und furchtbar ineffizient – versuche ruhig zu werden, so oft wie möglich.

Mach schnell!

Mach schnell, wenn es geht!Das steht im Kontrast zum vorigen Tipp, aber mache nicht den gleichen Fehler wie ich: Mir ist es sehr wichtig, den Puls und die Atmung im Griff zu haben, weshalb ich sehr, sehr langsam klettere. Ich habe die Kraft, an vielen Griffen zu rasten, aber für’s Onsighten oder spätestens beim Alpinklettern ist Schnelligkeit entscheidend. Übe immer wieder mal Touren richtig schnell zu klettern – wähle dazu Touren, die Du noch einigermaßen gut schaffst und achte darauf, möglichst flink – aber trotzdem sauber – zu klettern! Das Ziel ist es, oben anzukommen, nicht völlig hudelig zu klettern und irgendwann rauszufallen. Aber die Füße rasch zu setzen, von einer Bewegung zur nächsten schnell wechseln zu können und auch effizient zu clippen sind Dinge, die geübt werden sollten!

Lerne Clippen

Ganz wichtig. Lerne ordentliches Clippen. Wie genau es Dir am besten liegt, ob Du nun den Zeigefinger in die Exe hängst und das Seil mit dem Daumen reinschiebst, oder ob Du mit der ganzen Hand die Exe komplett umgreifst ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, eine Art herauszufinden und sie zu üben. Schau Dir mal Videos von Ondra und Co an – die Profis klettern nicht nur schnell, sondern clippen auch unglaublich flink.

Atme!

Atmen!Mein wichtigster Rat. Bei sämtlichen Begehungen meiner schwersten Touren habe ich extrem regelmäßig und deutlich hörbar geatmet. Mir egal, was die anderen dann denken, aber mir half es enorm. Konzentriere Dich durchgehend auf Deine Atmung, halte sie ruhig und regelmäßig. Nach einem schweren Zug atme tief ein und vor allem laut und „stark“ aus. Paige Classen zum Beispiel schwört auch auf diese Technik – sie ist überzeugt, dass eine richtige Atmung schweres Klettern deutlich vereinfacht. Fange früh damit an, Dich auf die Atmung zu konzentrieren, dann hast Du es später, bei den schweren Touren, schon raus.

Der siebte Grad ist für Dich erreicht? Na dann auf zum achten!

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3 Comments

  • Reply Unsere 7 Internet Fundstücke Mai 2016 - Abenteuersuechtig.de Juni 6, 2016 at 11:51 am

    […] Besser klettern: In den siebten Grad […]

  • Reply Johannes August 10, 2017 at 1:41 am

    ulligunde … was soll ich sagen . . . hinreißend . . . atraktiv und unglaublich aktiv . . . wie geht so was . . .?

    • Reply ulligunde August 18, 2017 at 8:37 am

      Also was das »aktiv« angeht, hilft auf jeden Fall die Selbstständigkeit 😉
      LG!
      Erika

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