Handcremen für Kletterer im Vergleich

März 30, 2016

Abgeschrubbte Fingerkuppen, Schnitte, Risse und vom Chalk ausgetrocknete Haut – Kletteralltag. Mit dem Hype dieser Sportart gibt es auch immer mehr Hersteller, die sich auf Cremes spezialisiert haben, die angeblich die Regeneration beschleunigen. Aber welche gibt’s? Und was taugen sie? Ich habe mal mein Näschen in verschiedene Döschen, Tübchen und Töpfchen gesteckt.

ClimbSkin

Die gehobene Creme für schicke Kletterer

ClimbSkin verwendet gar der Meister himself, Chris Sharma, der für das zugehörige Werbevideo womöglich den ein oder anderen Euro bekommen hat, denn er kommt aus dem Loben gar nicht mehr raus – ohne allerdings wirklich etwas über die Creme zu sagen: „really, really high quality“ „you can use even a few minutes before you climb“ „will really change peoples climbing“ „super blown away“ „you will be really impressed“ „from climbers for climbers“ „amazing handcream“ „by far the best on the market“. Bleiben wir ehrlich: Es ist und bleibt eine Handcreme.

Mein Eindruck: High-Class, high price

ClimbSkin ist die Creme, die am „kosmetischsten“ daherkommt. Schickes Döschen, modernes Design und auch die Inhaltsstoffe erinnern an eine ganz normale fancy Handcreme: Aloe, Shea, Sanddorn, Drachenblut und ansonsten viel chemisch klingendes Zeug. Und auch der Preis schlägt in diese Kerbe: 15 Euro für 30g – das entspricht schlappen 50 Euro für 100g. Stattlich. Laut Werbung soll die Creme nicht nur Feuchtigkeit spenden, sondern die Hornhaut elastischer machen.

Immerhin geht 1% einer jeden verkauften Dose an den Erhalt von Klettergebieten.

Geruchstechnisch liegt die Creme auch eher im Sektor „medizinisch-gesund“, die Konsistenz ist verhältnismäßig fest. Dass man mit der Creme auf den Fingern „a few minutes“ später harte Touren wegzieht, bezweifle ich. Meiner Beobachtung nach zieht sie eher langsam ein und macht die Finger erstmal relativ klebrig – nicht unbedingt fettig, aber irgendwie… unangenehm. Aber immerhin kann man mit ihr an den Händen super die Seiten im Kletterführer umblättern. Ich verwende sie manchmal, wenn es egal ist, wie die Finger danach riechen. Aber im Grunde eigentlich nicht so gerne.

Zusammengefasst

  • teuer
  • klebt
  • zieht langsam ein
  • Ohne Tierversuche (das ist seit der neuen Kosmetikverordnung ohnehin ein Muss), 1% Erlös geht an Erhalt von Klettergebieten
  • Gefühlt mehr für „schicke Menschen“ (wie nennt man sowas?!) als für Dirtbags

KletterRetter

Die tägliche Dosis Feuchtigkeit

Ein sympathisches Unternehmen aus der Nähe von Nürnberg. „Die Vision rund um KletterRetter war und ist, das Klettererlebnis durch hochwertige, auf die Bedürfnisse von Kletterern zugeschnittene Produkte aufzuwerten.“ – das sagt der Geschäftsführer David Holmes und fing 2013 prompt an, daheim im Wohnzimmer mit Inhaltsstoffen herumzuprobieren.

Der Eindruck

An der Creme fiel mir als erstes der sehr angenehme, frische Geruch auf. Sie ist ganz soft und erinnert eher an ganz normale Handcremes, als das fancy Zeug aus dem Hause ClimbSkin oder ClimbOn. Sie spendet sofort Feuchtigkeit, lässt sich schön cremen und zieht einigermaßen schnell ein – ganz ohne zu kleben. Die Inhaltsstoffe klingen schon nicht mehr ganz so chemisch und der Preis ist mit 11 Euro mit Abstand der günstigste (100g = 16 Euro). Ich verwende sie als ganz normale tägliche Pflege und mag sie einfach sehr. Riecht halt gut!

Übrigens: Im Shop von KletterRetter gibt’s kleine Gratisproben zu bestellen.

Zusammengefasst

  • riecht sehr gut
  • spendet Feuchtigkeit, zieht schnell ein, wenig fettig
  • aus Deutschland
  • günstig

ClimbOn

Die Creme, die man auch essen kann

Die ClimbOn ist die „älteste“ Creme am Markt. Was ClimbOn auszeichnet, sind die komplett natürlichen Inhaltsstoffe. Der Slogan sagt eigentlich alles aus: „if you can’t eat it, don’t put it on your skin” – will heißen: ClimbOn könnte man bedenkenlos in den Mund stecken, denn es/sie besteht ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen (Aprikose, Shea, Aloe, Bienenwachs, Lavendel, Rose…) und ist tatsächlich „food graded“. Die Creme wird auch nicht wie manche andere mit (günstigem) Wasser aufgefüllt, daher der höhere Preis. Die ClimbOn gibt es als Tube und als festen Block im Metall-Döschen und auch wenn die Inhaltsstoffe ähnlich sind, so unterscheiden sie sich doch in der Wirkung und Haptik ziemlich:

ClimbOn in der Tube

Die Creme aus der Tube ist sehr fettig und eignet sich gut, nach einem langen Tag am Fels die ganzen Hände komplett einzuschmieren. Sie zieht sehr langsam ein und riecht angenehm „gesund“ – eher nach „Kräuter aus dem Garten“ als nach frisch und hip. Ich verwende die Creme manchmal auch in den Bergen, wenn die Haut vor Kälte, Sonne oder Wind spannt. Und auch wenn die Lippen mal wieder brennen hilft die ClimbOn deutlich besser als Labello und Co.

CLimbOn als Block

Den Block verwende ich eigentlich noch lieber – man kann die Fingerspitzen (oder Lippen) eincremen, ganz ohne alle anderen Finger vollzusauen, die feste Konsistenz sorgt dafür, dass Cuts einfach „aufgefüllt“ werden können und so tatsächlich deutlich schneller heilen! Daher verwende ich den Block auch bei anderen Verletzungen – Schürfwunden oder Schnitte heilen meiner Meinung nach tatsächlich schneller mit ClimbOn – das bestätigen auch andere Kletterpartner. Ob das nur Placebo oder guter Glaube ist, kann ich nicht sagen. Es ist aber in jedem Fall angenehm zu wissen, dass man da gerade etwas in die Wunden schmiert, das man auch essen könnte – besser als Chemie!

Preislich liegt die Tube mit 17 Euro für 65g im Mittelfeld (26 Euro für 100g), der Block mit 8 Euro für 14g (60 Euro = 100g) scheint teuer, hält allerdings auch sehr lange. Solange man eben nicht die ganzen Hände damit versorgen will, sondern nur Cuts und geschundene Fingerkuppen.

Inzwischen gibt es auch noch mehr aus dem Hause. Zum Beispiel die Creme LITE, bei der auf die meisten Wachse und Öle verzichtet wurde, damit sie besonders schnell einzieht (und ziemlich gut riecht!). Die Reihe „CrossFIXE“ pflegt intensiv und zieht etwas schneller ein als die klassischen ClimbOn-Bars, außerdem kommen die Tuben in kompostierbaren Verpackungen daher und riechen nochmals anders. Und wer eigentlich die klassischen ClimbOn-Bars mag, den Geruch aber nicht, für den gibt es die Adventure Bars – die riechen einfach nur anders, besitzen aber die identischen Inhaltsstoffe. Hier (unter „was wofür“) gibt’s eine Übersicht aller Produkte.

Zusammengefasst

  • food graded
  • ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe
  • unterstützt Regeneration und Heilung
  • Block ist sehr praktisch, Tube fettet sehr
  • Hilft auch bei kaputten Lippen und Wunden

Fazit

ClimbSkin ist mir persönlich zu schick und kommt mir zu sehr wie teure, klassische Kosmetik daher. Der KletterRetter ist eine tolle Creme für den täglichen Gebrauch, nicht zuletzt weil sie so gut riecht und effizient Feuchtigkeit spendet. ClimbOn ist mein persönlicher Notfallretter bei Cuts und kaputter Fingerhaut – sie unterstützt die Regeneration meiner Meinung nach merklich.

Produkte kaufen: KletterRetter | ClimbSkin | ClimbOn

Dieser Blogartikel ist iniiziert durch eine Gratisprobe von KletterRetter. ClimbSkin wurde mir auf der ISPO in die Hände gedrückt, ClimbOn steht bei mir seit Jahren daheim. Der Artikel beschreibt meine persönliche, sehr subjektive Meinung und enthält Affiliate-Links.

Du hast andere Erfahrungen gemacht oder kennst noch eine weitere Creme? Hinterlasse mir einen Kommentar! 

 
Alle beschriebenen Produkte gibt’s hier zu kaufen:

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16 Comments

  • Reply Sabrina März 30, 2016 at 1:20 pm

    Hi Erika-Hase,

    mir gefällt Deine Umschreibung für ClimbSkin! Das klingt, als wäre das etwas für mich! 🙂 muuuaaaaaah.

    Allerdings kenne ich die ClimbOn Creme sehr, sehr gut. Die haben sogar einen LipStick…ich habe beides daheim in meiner „aktiven“ Boulderphase gehabt. Ich mag das Zeug sehr und würde vermutlich auch wieder ClimbOn kaufen.

    Deine Testbereichte sind einfach toll!

    Brina

  • Reply Biber Antevasin März 30, 2016 at 5:54 pm

    Deine Beschreibung von ClimbSkin finde ich sehr sehr passend. Sharma hat für das Video (zu Recht) jede Menge Kritik einstecken müssen. Irgendwo unter seinem Post auf Facebook hatte dann eine (wohl) Mitarbeiterin von ClimbSkin erklärt, warum das Zeug besser sein soll als Wachs-basierte Pflegemittel, ich hab’s leider auf die Schnelle nicht mehr gefunden.
    Ich selbst habe mir in der Kletterhalle bei ein paar Jungs mal einen Klecks von dem Zeug abgeschnorrt. Hatte ja gehofft, dass danach mindestens eine 8c+ machbar ist. War eher nicht so – also gar nicht. Im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass ich die Griffe speckig mache ohne Ende und das Zeug insgesamt eher hinderlich ist.

    KletterRetter kannte ich nicht, ClimbOn ist auch für mich das Mittel der Wahl. Insgesamt sehr schöner Test, der sich auch mit meinen Erfahrungen deckt.

    • Reply ulligunde April 1, 2016 at 9:18 am

      Hi Biber,

      ich hab ja auch auf die 8c spekuliert – völlig enttäuschend! 😀 Freut mich sehr, wenn Dir der Test und die Ergebnisse zusagen – ich kam mir zwischenzeitlich etwas komisch vor beim Schwadronieren über HANDCREMES. Aber irgendwie wars lustig – so schön trivial 😉 Vielleicht wird ulligunde.com ja bald ein Fashion-/Kosmetik-Blog 😉

      Liebe Grüße!

      Erika

  • Reply Dennis März 31, 2016 at 4:00 pm

    Hey Erika,

    ich nutze eigentlich meist ClimbOn oder eine normale Handcreme für die tägliche Pflege.
    KletterRetter wollte ich auch schon öfter mal ausprobieren, aber man bekommt es so schwer im lokalen Handel und solche Kleinigkeiten immer im Netz zu bestellen finde ich auch irgendwie doof.

    Gruß
    Dennis

    • Reply ulligunde April 1, 2016 at 9:19 am

      Na dann ist das Gewinnspiel im Facebook ja genau das Richtige 😉

      Viel Glück!

    • Reply David KletterRetter April 1, 2016 at 7:40 pm

      Hallo Dennis,

      vielen Dank für dein Feedback. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Händler!

      Vielleicht findest du hier einen Händler in deiner Nähe:
      http://www.kletterretter.com/fachhaendler/

      Wenn nicht, sind wir offen für Vorschläge!

      Viele Grüße,
      David

  • Reply Ecki März 31, 2016 at 7:59 pm

    Wir benutzen immer AfteClimb. Und ich sehe gerade dass sie nicht mehr verfügbar ist bei amazon. Danke für den Überblick, ich werde jetzt mal KletterRetter probieren. Gruß, Ecki

    • Reply ulligunde April 1, 2016 at 9:19 am

      AfterClimb kenne ich gar nicht?! Taugt das denn was?

      Liebe Grüße!

      Erika

  • Reply Dennis April 1, 2016 at 12:36 pm

    Ein Freund von mir hat übrigens eine Apothekerin zur Freundin. Die hat sich die Inhaltsstoffe von ClimbOn mal angesehen und das von der Azubine „nachbauen“ lassen.
    Ist nicht ganz das Gleiche, aber er meinte, dass es ihm auch taugt. Über den Preis weiß ich jetzt allerdings nichts.

  • Reply Will @ SKINourishment/climbOn April 5, 2016 at 8:16 am

    Zunächst einmal vielen Dank für die Bewertung. Die Liebe zu diesem Beitrag ist einfach genial und überwältigend.

    Wir sind stolz auf die Hautpflege -Produkte vorgenommen haben, seit 1996. Wir sind sehr geehrt, zu Tommy Caldwell in seinem letzten freien Aufstieg Aufstieg von El Kapitän geholfen haben. Wir sind stolz, Tommy Unterstützung seit den frühen 2000er Jahren gehabt zu haben.

    Ich stellte diesen Blog in einem anderen Kommentar, aber ich wollte wieder. Aus diesem Grund wir Bienenwachs verwenden.
    https://www.youtube.com/user/SKINourishment/videos

    Wir haben eine Reihe von Videos auf unserem Youtube-Seite über die Unterschiede zwischen crossFIXE und climbOn und den verschiedenen Produkten.
    http://skinourishment.com/blogs/education/25763012-why-beeswax

    Nochmals vielen Dank so viel für die Zeit nehmen, diese Bewertung zu schreiben. Ich entschuldige mich für die schlechte Deutsch, ich bin mit Google Translate , den Blog zu lesen und diesen Kommentar zu schreiben.

    <3 Will at climbOn/SKINourishment

  • Reply Alex Mai 15, 2016 at 8:11 am

    Hallo Ulligunde,

    auch als Nichtkletterer habe ich diesen Beitrag gerne gelesen. Ich werde mir die Inhaltsstoffe von ClimbOn mal näher anschauen. Meine Empfehlung für die strapazierte Haut ist Weleda „Skin Food“ Hautcreme. So als Ergänzung schon ausprobierenswert.

    viele Grüße
    Alex

    • Reply ulligunde Mai 18, 2016 at 9:54 am

      Hi Alex,

      merci für Deinen Kommentar! Bei den herkömmlichen Hautcremes habe ich immer die Befürchtung, dass sie die Haut eher weich als robust machen – ist das bei der Skin Food von Weleda anders? Wenn ja sause ich gleich los und probiere sie mal aus.

      Liebe Grüße!

      Erika
      PS: Bitte habe Verständnis, dass ich die platzierten Links entfernt habe.

  • Reply Alex Mai 19, 2016 at 1:58 pm

    Imo macht sie die Haut auf Dauer geschmeidiger und strapazierfähiger. Genau wie der Weleda Fußbalsam die Füße.

  • Reply CREAMS OF THE STONE AGE Februar 26, 2018 at 2:34 pm

    Hallo liebe Ulligunde!

    Wir haben was neues für die vielen geschundenen Kletterer Hände, unseren Handbalsam! Gerne senden wir Dir ein Testmuster zu, damit Du es begutachten kannst. Antworte uns einfach, wenn Du Interesse hast. Es handelt sich um FAIR LUXURY, nachhaltige Paleo Biokosmetik, mit der wir auch unseren Beitrag für mehr Teilhabe in der Welt leisten.

    Wir freuen uns auf Deine Rückmeldung und senden liebe Grüße aus dem Kletter-Mekka Innsbruck.

    Die CREAMS OF THE STONE AGE

    • Reply ulligunde März 12, 2018 at 8:10 am

      Hi Ben,

      vielen Dank für Deine Nachricht! Ich hab Dir direkt mal per Mail geantwortet 😉
      Liebe Grüße!
      Erika

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