Zum Sonnenaufgang auf die Köllenspitze

Dezember 2, 2014

Seit unserer Rückkehr ist es schlagartig still um Ulligunde geworden. Da ist der Job, die Wohnungssuche, die Rückkehr, das Einleben nach solch einer Reise… Und dann ist da ein Zustand, den ich bisher nicht kannte. Nach all den phänomenalen Eindrücken, Erlebnissen und Touren unserer siebenmonatigen Reise war ich viele Wochen einfach gesättigt vom Alpinklettern und Bergsteigen. Ich genoss es, auf unserem Bauernhof-Balkon in der Sonne zu sitzen, etwas von Hand zu erschaffen oder einfach mit Freunden gemütlich beim Sportklettern herumzuhängen. Die Berge mit ihrem herrlichen Wetter lockten mich einfach gerade nicht so sehr, außer eine Tour versprach schöne Fotos.

Sternenhimmel beim Blick vom BalkonAm Wochenende bevor der erste Schnee hier im Allgäu fiel (ja, das ist schon einige Wochen her), machte ich mich deshalb morgens um kurz nach drei Uhr auf zur Köllenspitze im Tannheimer Tal. Zum Sonnenaufgang auf dem teilweise recht anspruchsvollen Gipfel – das klang nach der idealen Immanel-Erika-Foto-Tour. Und so wurde es auch. In stockfinsterer Nacht gewannen wir durchgehend plappernd (mag ich ja nicht so, aber wenn man sich SOOOO lang nicht gesehen hat!) rasch an Höhe, wurden ausgiebig von vielen Gämsen-Augen beobachtet und waren mit dem ersten Licht in der Scharte vor dem Gipfel. Ab hier begann die Kletterei, die weniger durch den Fels, als viel mehr durch den „Speck“ anspruchsvoll war – so pollierte Stellen habe ich noch selten erlebt. Wir schafften es problemlos über alle Schlüsselstellen und standen pünktlichst eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang am Gipfel.

 

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Lasst die Spiele beginnen!

141018_0007Der Himmel färbte sich nach und nach in den irrsten Farben, bis endlich die ersten Gipfel ringsum in sattes Rot getunkt waren. Da die Sonne direkt hinter der Zugspitze aufging, konnten wir dieses Spektakel einige Minuten genießen, bis auch wir die ersten Strahlen abbekamen. So unbeschreiblich schön! Diese Stille zum Sonnenaufgang auf einem so hohen Gipfel, die Unberührtheit, der Einklang mit der Natur. Gerade hier im Tannheimer Tal ist der Kontrast noch krasser, weil es hier nur wenige Stunden wie verrückt zugeht. Wir blieben mehrere Stunden an diesem herrlichen Platz, spielten mit unseren Kameras, tauschten Fachwissen aus (er) und lernten viel (ich). Den Ausblick in ein Gebirge, dessen Zacken ich nahezu durchgehend bennenen kann, genoss ich so sehr. Es ist immer wieder ein seltsames Gefühl, wenn ich mir bewusst werde, dass wir tatsächlich wieder zurück sind. Es ist komisch. Schön, aber auch traurig.

Abstieg durch die Massen

141018_0013Irgendwann konnten wir uns doch noch loseisen und machten uns an den Abstieg. Kurz vor der Schlüsselstelle (die muss man im Aufstieg abklettern) kamen uns die ersten zwei entgegen, ein dritter stand sehr unentschlossen direkt über der Crux. Er traute sich nicht, ließ uns den Vortritt und drehte letztendlich um. Eine Entscheidung, die ich immer mit einem kräftigen Schulterklopfer belohnen möchte – Umdrehen bedarf Selbstvertrauen und ist im Zweifel immer die bessere Entscheidung. Hut ab! Nur wenige Minuten später holte uns die Realität fernab von Bergsteigerehtos dann doch sehr schnell ein. Massen – und ich meine MASSEN – an Leuten schoben sich auf den Wanderwegen in Richtung verschiedenster Gipfel. Und wer nicht auf den Wanderwegen nahezu im Stau stand, hing ganz augenscheinlich in einer der zahlreichen Plaisirtouren an den sonnigen Kalkfelsen. „SEIL FREEEEEI“, „NAAAAAAAAAAACHKOOOOMMEEEEN!!!“, „WAAAAAAAS????“… schön, dass wir diese schöne Gegend noch vor wenigen Stunden für uns hatten. Wir schlenderten zurück zum Gimpelhaus und genossen noch ausgiebig ein Bierchen mit großer Aussicht und standen nach einem zügigen Abstieg gegen Mittag wieder am Auto. Ein perfekter Morgen. Und danach erstmal gemütlich auf den Balkon. Sonne und Leben genießen 😉

 

PS: Schaut Euch unbedingt auch andere Bilder von Immanuel an!

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5 Comments

  • Reply Steve Dezember 2, 2014 at 8:16 pm

    Tolle Bilder!
    Willkommen zurück in den Bergen. Dieses „Outdoor-Burnout“ kenne ich. Glaube mir, das vergeht wieder ganz schnell und alles ist wieder beim Alten und vielleicht sogar noch ein bisschen besser. 😉

    Liebe Grüße aus dem Berchtesgadener Land

    Steve

    • Reply Erika Dezember 3, 2014 at 8:47 pm

      Oh, noch besser?! Mal sehen, was die kommende Wintersaison so bringt. Ich hätte ja gerne eine Scheibe Kalt-Dunkel-Nass-Vorfreude von der WUSA-Sabrina ;)…Aber wird sicher gut, der Winter.

      Grüße nach Osten!

  • Reply sabrina Dezember 2, 2014 at 9:00 pm

    Hi Erika,

    Willkommem zurück und gleich mit so tollen Bildern! Hab ich ein bisschen vermisst!

    LG Sabrina

  • Reply Nadine Dezember 3, 2014 at 2:07 pm

    Oh, bei Sonnenaufgang auf diesem Gipfel zu stehen, toppt natürlich einiges. Wieder mal sehr schöne Bilder! Aber sag mal, habe ich ein waschechtes Déjà-vu oder hattest Du den Artikel schon vorher mal online? Viele Grüße aus München, Nadine

    • Reply Erika Dezember 3, 2014 at 8:48 pm

      Hi Nadine, kann gut sein, dass dir diese Bilder bekannt vorkommen! Ich hatte sie in Facebook, aber eben nie einen Artikel draus gemacht…

      Grüße!
      Erika

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