Wolkenspektakel (Skitour Schochen)

März 8, 2014

Neuschnee. Sonne ab Mittag. Donnerstag. Perfekte Bedingungen also, denn seit einer Woche klingelt bei mir morgens kein Wecker mehr – zumindest nicht mehr zum Arbeiten. Wenn man dann auch noch Freunde hat, die ebenfalls ihre Zeit frei einteilen können, gibts bei solch einer Vorhersage eigentlich nur noch eins zu klären: Wohin gehts auf Skitour? 

Erster Blick auf den Schochen (ganz hinten)Wenn es nach mir geht, startet man auf eine Skitour möglichst früh – gerne auch weit vor Sonnenaufgang. Sagt das treue GFS aber tiefe Bewölkung bis in die Mittagsstunden voraus, kann man ausnahmsweise auch mal später starten – im dichten Nebel fotografiert sichs so unspektakulär. Das passte perfekt, denn den Schochen im Ostrachtal wollte ich schon länger mal machen. Normalerweise fällt der stets von der Auswahlliste, weil der Shuttlebus unter der Woche erst um zehn Uhr ins Tal fährt – für meine Verhältnisse lieber eine Gipfelzeit als eine Loslaufzeit. Aber bei den Bedingungen? Kann man schon mal machen!

Erstmal ausschlafen

Während unser treuer Bus „Freddy“ gerade seine nagelneue TÜV-Plakette bekam, holte mich Christian von herrseitz.de mit seinem Sportwagen ab (Warum holen mich zur Zeit eigentlich immer Typen mit Sportwägen ab?!). Durch Nebel gings nach Hinterstein und mit dem Shuttle für 8.60 Euro zum Giebelhaus. Direkt am Parkplatz konnte man überraschenderweise bereits die Ski anschnallen – das hatte ich anders befürchtet, aber hier hinten im Tal lag tatsächlich Schnee. Ohne ernstzunehmende Steigung gings zum Talschluss – meine Blasen am Fuß erinnerten sich fröhlich an den langen Talhatscher von vergangenem Wochenende im Jamtal. Wozu gibt es bitte so lange Täler!

Rasende Wolken

Irgendwann kam dann doch noch etwas Steigung, die letzten Höhenmeter wurden sogar überraschend steil. Ich befürchte, während Christian mit den Spitzkehren kämpfte, wurde ich nicht nur einmal für die Tourenauswahl verflucht. Und der aufkommende Nebel machte die Sache nicht besser. Dafür belohnten uns am Grat die rasenden Wolkenfetzen mit beeindruckenden Fotomotiven. Da klickten die Kameras um die Wette. Eine großartige Stimmung!

Deshalb tragen wir Helme

Trotzdem beeilten wir uns. Die Wolken wurden immer mehr und speziell den ersten, wirklich steilen Teil, wollte ich ungern im Blindflug hinter uns bringen. Und so standen wir wenige Minuten später an der Kante. Ich schickte Christian vor – nur für den Fall, dass er stürzen würde. Gerade noch gedacht, schon kam der Schrei und eine außergewöhnlich elegante Pirouette, bevor er aus dem Sichtfeld verschwand. Ich dachte mir nicht viel dabei, schließlich war er nicht allzu schnell und der Schnee tief. Falsch gedacht, denn beim Hinterherfahren sah ich zunächst eine deutliche Rutschspur auf Gras und unten einen mächtig großen Stein. Mir sackte das Herz kurz in die Hose, dachte schon darüber nach, wo mein Handy für den Notruf sei. Aber alles war ok. Die Ski zwar im ganzen Hang verteilt (schön, wenn die Dynafitbindung auslöst!), die Hose etwas zerrissen und ein paar kleine Schmerzchen am Körper, aber sonst alles in Ordnung. Alter Schwede, das hätte anders ausgehen können. Jetzt weiß ich wieder, weshalb ich immer mit Helm fahr. Er glücklicherweise auch.

Auf Pulver ins Tal

Die restliche Abfahrt war dafür reinstes Zuckerschlecken, der Schnee bis zum unteren Drittel vom Feinsten, die freien, nahezu unverfahrenen Hänge ebenso. So sollen Skitouren sein! Da vergaß ich glatt das Fotografieren. Das ein oder andere Bachbett galt es noch zu überqueren, bis wir wieder das Tal erreichten. Und wie es mit diesen Talhatschern so ist, mussten wir auch den Rückweg dank des inzwischen völlig nassen Schnees komplett rausschieben. Wenn das so weitergeht, werde ich irgendwann noch Profi-Talhatscher. Wobei, womöglich war das auch meine letzte Skitour für diese Saison, denn spätestens ab Ende nächster Woche wird zwangsläufig in den Klettermodus geswitched, dann gehts nämlich los.

Insgesamt aber doch eine schöne, abwechslungsreiche Tour mit einer wirklich tollen Abfahrt und überraschend gutem Schnee. Das dürfte morgen schon nicht mehr so sein. Von dem Gipfelhang sollte man bei ungünstigen Verhältnissen aber besser die Finger lassen. Danke Christian fürs Mitkommen!

 

 

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2 Comments

  • Reply das ist doch echt traurig März 9, 2014 at 6:29 pm

    ??? ist das ein schlechter Scherz ???
    http://www.lawinenlehrgang.de/2014/03/friedlich-eingeschlafen/

    • Reply ulligunde März 10, 2014 at 8:38 am

      Hallo Unbekannter,

      das ist zwar bizarr, dass Du anonym schreibst, aber du wirst Deine Gründe haben. Mit dem Tod eines Menschen mache ich keine Scherze – Martin ist am vergangenen Wochenende verstorben und hinterlässt für viele Freunde und vor allem für seine Familie eine schmerzhafte Lücke. Die Skitour auf den Schochen war für mich persönlich eine Abschieds-Skitour, in Gedanken stets mit ihm.

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