Testbericht: Ultra Distance Trekkingstöcke (Black Diamond)

Juli 29, 2012

Leicht, leichter, noch leichter. Als ich auf der Suche nach neuen Trekkingstöcken war, dachte ich erst, dass die Gewichtsangabe bei den Ultra Distance Stöcken ein Fehler sein muss. Gewöhnlich wiegen die Gehhilfen so um die 500 Gramm, die 260g von Black Diamond konnten ja gar nicht stimmen. „Das ist bestimmt die Angabe pro Stock, cleveres Marketing, aber darauf fall‘ ich nicht rein!“. Dachte ich mir. Nach kurzer Rückfrage bei den Bergfreunden war ich zugegebenermaßen dann doch etwas baff: Die Stöcke wiegen tatsächlich nur so wenig, als Paar!! Mein konsequenter Gedanke war natürlich, dass das Gewicht auf Kosten der Robustheit eingespart wurde, damit lag ich zwar nicht unbedingt falsch, aber auch nicht komplett richtig.

Der erste Eindruck

Halleluja, sind die leicht. Ich habe die 120cm Variante (der Stock kann in der Höhe nicht verstellt werden), welche 270g wiegen. Das Zusammenstecken läuft leicht und die Elemente halten auch ohne Fixierung schon recht gut. Im Inneren verläuft ein Band bis zum Griff. Zieht man diesen nun ganz nach oben, rastet ein kleiner Druckknopf ein, das Band bleibt straff und arretiert dadurch die Verbindungen. Das Auseinanderbauen geht ebenso leicht, einfach den Knopf reindrücken und die einzelnen Elemente zusammenfalten. Mit den Einbuchtungen an den kleinen Tellern kann man den Stock so fixieren, dass er nicht mehr auseinanderklappt. Was  allerdings im gefalteten Zustand  sofort auffällt ist, dass man sie nicht in die normalen Stockhalterungen am Rucksack  festmachen kann, denn dafür sind sie schlicht zu kurz. Ich fixiere sie inzwischen an den Pickelschlaufen und mit Hilfe eines Klettbandes an den Materialschlaufen.

Die Stöcke werden mit einem kleinen Säckchen und Ersatzenden geliefert, einmal mit Gummi und einmal mit Metallspitzen für den alpinen Einsatz. Das Austauschen dieser Spitzen geht auch sehr zügig, wenn man erst einmal den Trick raushat – da lohnt sich das Spicken in der Anleitung.  Ersatzteller gibt es keine, macht auch keinen Sinn, denn mit großen Tellern könnte man die Stöcke nicht mehr zusammenfalten.

Gewichteinsparung auf Kosten der Robustheit?

Aber die wichtigste Frage steht noch aus: Brechen die nicht total schnell? Jain. Ich persönlich habe mich während einer längeren Tour im Allgäu wirklich bemüht, sie voll zu belasten – so gut das mit meinen 60kg halt geht. Sie hielten alles aus, wobei ich dazu sagen muss, dass  bei mir die Stöcke vor allem beim schnellen Abstieg belastet werden  – die Belastung kommt also meistens direkt von oben. Ein Bergführer, mit dem ich mehrere Tage unterwegs war, besaß die gleichen– allerdings inzwischen schon das dritte Paar! Er benützt sie vor allem für einfachere Gletscher- oder Schneefeldbegehungen. Sein Fazit: Rutscht man im Schneefeld aus,  stützt man sich automatisch darauf und belastet sie ruckartig seitlich, woraufhin sie schnell brechen. Und sie brechen nicht nur einfach, sondern zuverlässig immer an der gleichen Stelle, nämlich direkt am oberen Verbindungselement. Da die Stöcke aus Carbon sind, spittert das Material, was eine zusätzliche Gefahrenquelle ist.

 

Komfort

Die Griffe liegen auch bei höheren Temperaturen und Feuchtigkeit gut in der Hand. Da ich beim Aufstieg gerne die Stöcke etwas kürzer habe, löse ich beim Losgehen einfach die Arretierung, dadurch werden die Stöcke gut 10cm kleiner. Bleiben die Spitzen nicht gerade irgendwo hängen, ist es kein Problem mit der fehlenden Fixierung. Was allerdings definitiv nicht so schön ist, sind die Handschlaufen: Sie haben so scharfe Nähte und Kanten, dass ich mir während einer Zweitagestour eine kleine Blase an der Daumenaußenseite holte – definitiv nicht Sinn der Sache.

Fazit?

Die Ultra Distance Stöcke von Black Diamond überzeugen einfach durch ihr enorm niedriges Gewicht. Für normale Wanderungen oder längeres Trekking sind sie wirklich zu empfehlen, auch wenn das Manko mit der Handschlaufe bleibt. Dennoch: Wer wirklich auf das Gewicht achten muss, ist mit diesen Stöcken wirklich gut beraten.

PS: Man munkelt übrigens von einer alpinen Variante  des Ultra Distance mit großen Tellern…

PPS und Nachtrag Ende 2016: Diese Stöcke begleiteten mich ohne Bruch bis ins Jahr 2016, sie sind großartig!

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1 Comment

  • Reply Testbericht: Alpine Carbon Cork – Skistöcke von Black Diamond « ulligunde Januar 15, 2013 at 4:31 pm

    […] Vergleich zu den Ultralight-Trekkingstöcken, wo es tatsächlich ausschließlich auf Gewicht und Packmaß ankam, stehen bei guten […]

  • Schreibe einen Kommentar zu Testbericht: Alpine Carbon Cork – Skistöcke von Black Diamond « ulligunde Cancel Reply

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