Testbericht: Uhr mit Höhenmesser (Garmin Forerunner 645 Music)

April 24, 2019

Wozu noch eine Uhr, wenn man ein Smartphone hat? Nach einem halben Jahr im Einsatz kommt hier Begründung samt Testbericht zur Garmin Forerunner 645 Music. So viel vorneweg: Sie erfüllt nur mit Mühe meine Erwartungen.

Das letzte Jahrzehnt hat mir mein Handy am Berg ganz gute Dienste erwiesen, eine Uhr schien mir nicht wichtig. Während ich aber Mitte 2018 immer mehr auf das Smartphone verzichte und mich es langsam nervt, es immer raus zu ziehen, bloß um die Uhrzeit zu erfahren, machte ich mich auf die Suche nach einer Uhr. Eine kleine, unkomplizierte Uhr für den Berg und Alltag.

Garmin Forerunner 645 Music TestberichtDie Anforderungen

Die wichtigste Anforderung bezog sich dabei vor allem auf die Größe: Mit sehr – sehr – schmalen Handgelenken kommt ein Brummer wie jene vom Platzhirsch SUUNTO nicht in Frage. Die Funktionen hingegen waren mir nicht so wichtig: Sie soll eben die Uhrzeit anzeigen und wenn möglich noch die Höhe, das wäre schon irgendwie nett. Alles andere (Puls, Schrittzähler, Thermometer, Fittness-Überwachung) war mir so gar nicht wichtig.

Auf die Frage an meine Leser wurde mir von einigen seiten die FORERUNNER 645 MUSIC empfohlen, weshalb ich sie mir über meinen Partnershop BERGZEIT einfach mal bestellte.

Der erste Eindruck

Schön ist sie! Wirklich sehr schmal, sehr dezent und mit modernem, schlichten Design. Sie passt gut an ein schmales Handgelenk und ist definitiv auch wunderbar für den Alltag. Das Armband (wahlweise in rot oder schwarz) ist etwas dehnbar und ist erfreulicherweise nicht nirvanös lang. Die Uhrzeit (es gibt verschiedene Designs für die Display-Optik) kann man einwandfrei ablesen, auch mit Sonnenbrille.

Sportuhr Fitnessuhr klein schmales HandgelenkDisplay

Sowohl das Design als auch die Anordnung der verschiedenen Registerkarten kann man individuell einstellen. Ich habe standardmäßig auf dem »Startbildschirm« das Datum, die Uhrzeit, den Akkustand und – das ist genial! – die Uhrzeit für den bevorstehenden Sonnenauf/-untergang. Das ist ein nettes Feature, das zwar nicht die Welt verändert, aber mir einfach gut gefällt. Für Rappsche Präzision was die Fotografie zum Sonnenauf/untergang angeht, ist sie natürlich viel zu ungenau (er schwört auf den ganz exakten Wert am Fotospot via Peak Finder, ich hingegen schwöre da eher auf einen vagen Richtwert und dann einfach mit Puffer am Fotospot zu sein 😉 ), aber für meine Zwecke und im Alltag reicht diese Angabe allemal.

Einrichten

Pulsmesser an der Garmin 645 Music TestberichtDie Einrichtung der verschiedenen Registerkarten und Anordnungen ist erstaunlich leicht verständlich, man merkt allerdings schnell, dass diese Uhr vor allem auf Fitness (Laufen, Radeln, Schwimmen) ausgerichtet ist. Das meiste ist für den faulen Bergläufer eher unnötig, aber man kann sich trotzdem einige hilfreiche Tracking-Ansichten (also die Displays, die erscheinen, wenn man gerade in Aktion ist) zusammenbauen. Am Berg ist es zum Beispiel bei mir:

1. Seite: Uhrzeit, aktuelle Höhe, zurückgelegter Anstieg, zurückgelegter Abstieg, Distanz

2. Seite: Höhenmesser mit Höhendiagramm und bisherige Dauer

Garmin Armband Uhr3. Seite: bisherige Dauer, Temperatur, Distanz

4. Seite: Kartenansicht mit Trackverlauf (sehr klein, wenig brauchbar, höchstens evtl. um vage zu einem früheren Punkt zurück zu navigieren)

Stoppt man eine Aufzeichnung, wird eine Zusammenfassung angezeigt, die allerdings komplett auf Fitness (Kalorienverbrauch, Anerob/Aerob, Erholungszeit usw) ausgerichtet ist. Mit ein paar mehr Klicks erfährt man dann aber auch die Gesamtdauer, Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit usw.

Nette Gimmicks

Flache Sportuhr Garmin Forerunner 645 musicAbgesehen von den Aufzeichnungstools hat sich die Uhr mit ein paar kleinen Funktionen in meinen Alltag geschlichen und damit in manchen Bereichen das Handy ein weiteres Stück unnötig gemacht: Neben der Anzeige zum Sonnenauf/untergang ist da vor allem der Timer Gold wert (Power Nap, Meditation, Eier kochen) und der Wecker. Kann das Handy natürlich auch alles, aber jeder nicht gemachte Blick auf das Smartphone birgt weniger Ablenkung.

Präzision

Wer absolut zuverlässige Werte benötigt oder diese Uhr als echtes Navigationstool verwenden möchte, der wird allerdings voraussichtlich nicht so viel Freude mit der Forerunner 645 Music haben.

Höhenmesser

Zwar wird dauerhaft die Höhe angezeigt, ist die Uhr allerdings nicht im Aufzeichnungsmodus (wo das GPS abgerufen wird), zeigt sie einigermaßen wahllose Zahlen an. Die können relativ nah an der Realität sein oder völlig entfernt. Speziell ersteres ist ungünstig, weil die Uhr damit ggf. in die Irre führen kann, wenn man den Fehler nicht merkt.

Ärgerlich ist, dass man scheinbar das GPS nicht einschalten kann, ohne eine Aufzeichnung zu starten. (Wer hier einen Tipp hat, bitte gerne her damit!). Ich habe zumindest bisher keine Möglichkeit gefunden. So fällt im Alltag ein kurzer Blick auf die aktuelle Höhe aus, das ist richtig schade.

Besonders ärgerlich ist das bei der Aufzeichnung: Startet man die Aufzeichnung, bevor die Uhr ausreichend GPS-Empfang hat, startet sie kommentarlos mit dieser falschen Höhe und behält sie während der gesamten Aufzeichnung bei. Damit stimmen dann zwar die gesamt zurückgelegten Höhenmeter (wichtig für Fitnessmenschen), aber eben nicht die Höhe des Gipfels (wir sprechen hier von Abweichungen von mehreren hundert Höhenmetern, das sieht man z.B. auch im dem RELIVE-Video weiter unten. Der höchste Punkt laut Track war 1.900 hm, wobei ich den Gipfel mit dem Gleitschirm nie groß überhöht habe – und der ist 1.450 hm hoch).

Garmin empfiehlt dieses Vorgehen auch in der Anleitung (Tracking aufrufen, GPS-Empfang abwarten und dann nochmal 30 Sekunden warten). Man kann aber diesen Zustand dann aber nicht dauerhaft eingestellt lassen.

Temperatur, Herzfrequenz

Temperatur Uhr Garmin ForerunnerEbenso nur ein Richtwert ist einerseits die Temperatur (natürlich nicht am Handgelenk/Körper gemessen, aber trotzdem nicht 100% akkurat) und die Herzfrequenz. Während ich hier am Tisch sitze, habe ich angeblich einen hohen Stresslevel, etwas später bin ich aber angeblich auch komplett entspannt (ich bin natürlich IMMER komplett entspannt 😉 ). Wer hier Präzision statt nur einen Richtwert haben möchte, der wird den dazugehörigen Brustgurt benötigen, den man allerdings gesondert bestellen  muss.

(Bild: Unterwegs in den Drakensbergen)

Schrittzähler

Garmin Sportuhr Forerunner TestberichtDer letzte Richtwert ist der eingebaute Schrittzähler, der natürlich nicht die eigentlichen Schritte, sondern die Bewegung der Hand zählt. Das ist nett, aber für mich nicht wirklich nötig und meistens so dermaßen unglaubwürdig, dass der Wert eher dem Amusement dient. Der Wert dürfte wahrscheinlich beim Joggen oder normalen Laufen richtiger sein, als beim Skitourengehen (Gehen mit Stöcken) oder Rucksack-Tragen (wo ich oft die Hände am Schultergurt habe).

Besonders ärgerlich

Ladekabel Sportuhr Uhr GarminBesonders ärgert mich aber etwas, das gar nichts mit der Funktion zu tun hat: Die Uhr kann ausschließlich über eine ganz spezielles Ladekabel (eine Klammer mit Kontakten an der Unterseite) geladen werden.

Das ist bei Konkurrenzprodukten zwar nicht anders, aber in Zeiten von Micro-USB-Standard ist das doppelt ärgerlich, denn einerseits hat man plötzlich doch wieder ein weiteres Kabel rumfliegen und andererseits müsste man dann auf jede längere Tour dieses spezielle Ladekabel mitschleifen. Hat man es einmal vergessen, gibt es keine Alternative, die Uhr aufzuladen und nach spätestens zwei Tagen ist Schicht im Schacht.

Akku-Laufzeit

Die elftägige Trekkingtour durch die Drakensberge habe ich täglich aufgezeichnet. Wir waren dort teilweise acht bis zehn Stunden unterwegs, der Akku hat diese Aufzeichnungen teilweise gerade noch geschafft. Länger darf die Tour also nicht sein, weil sonst die Uhr ausgeht und der bisher aufgezeichnete Track verloren geht.

Video

Was gerade mir als Blogger/Social Media Nutzer zugute kommt, ist die Kombination mit der App „RELIVE„. Touren, die mit der Garmin-Uhr aufgezeichnet wurden (funktioniert mit jeder anderen Uhr oder natürlich mit dem Smartphone selbst auch) und mit dem Smartphone synchronisiert wurden, werden automatisch an diese App weitergeleitet, die dann Flug-Videos dieses Tracks macht. Einige werden diese Funktion von SUUNTO (Movescount) kennen. Die Kombi hat aber mit der GARMIN nicht funktioniert, wohingegen die Kombination mit Relive wirklich sehr schön klappt. Man kann nachträglich Bilder einfügen (hat man sie mit dem Handy gemacht, werden die Bilder automatisch gleich richtig georeferenziert und an dem richtigen Ort eingebunden) und so ein kleines, nettes Video der Tour schneiden.

 

Relive ‚Vier fehlen noch… (Mittag, Allgäu)‘

Auf unserer Trekkingtour durch die Drakensberge gab Relive auch schönes Füllmaterial für die Videos (ab min. 0.50 etwa):

 

Bin ich zufrieden mit der Forerunner 645 Music von GARMIN?

Für meine Zwecke reicht die Uhr gerade so. Sie ist schmal, hübsch, alltagstauglich und kann – wenn man vor dem Aufzeichnungsbeginn geduldig auf das GPS wartet – recht gut die Höhe anzeigen.

Im Gegensatz zur SUUNTO, die ich vor ein paar Jahren mal zum Testen hatte, passiert es bei der Forerunner nahezu nie, dass man unbeabsichtigt irgendwelche Knöpfe drückt, das ist sehr angenehm. Die kleinen Features (Timer, Sonnenaufgang, Temperatur, Wecker) machen den ein oder anderen Blick aufs Smartphone unnötig.

Betrachtet man allerdings den Preis, hätte ich definitiv deutlich mehr erwartet. Speziell in dem Bereich der kleinen Uhren gibt es aber einfach momentan meinem Eindruck nach keine echte Alternative.

Fazit: Für meine Zwecke gerade so ausreichend.

 

Thema #Werbung: Ich habe mir dieses Produkt selbst und ohne Rücksprache mit Herstellern ausgesucht, habe es allerdings im Folgenden kostenlos von meinem Partner BERGZEIT erhalten. Die Meinung ist also unverfälscht.

 

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7 Comments

  • Reply Christian Oktober 15, 2019 at 10:54 am

    Die Kritik mit dem Ladeband kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, sondern nur positiv erwähnen, auch wenn ein zusätzliches Kabel nötig ist. Wenn man dies mit den Polar Uhren vergleicht, die auch einen USB-Ladeanschluss haben, ist hier klar der Vorteil, dass nur die Kontakte oberflächlich sichtbar sind (Garmin). Der USB Anschluss ist nicht nur oberflächlich und ich hatte bei meiner Uhr das Problem, dass die Kontakte anfangen haben zu rosten. (schweiß, Wasser etc.) Diese Probleme sind leider auch bekannt und kaum zu vermeiden, da sich immer Wasser sammeln kann, was schlecht trocknet.

    • Reply ulligunde Oktober 30, 2019 at 11:07 am

      Hi Christian,
      danke für Deinen Kommentar! An dieser Sichtweise ist was dran! Schade dass da noch keine andere (funktionierende) Lösung gefunden wurde.
      LG!
      Erika

  • Reply Lars Hauger Januar 24, 2020 at 11:49 am

    Hallo Erika

    Ich bin auf der Suche nach einer guten Smartwatch. Mir ist die Suunto 9 ins Auge gestochen. Meine Arbeitskollegen schören alle auf Garmin. Hast Du auch Erfahrungen mit Suunto gemacht?

    • Reply ulligunde Februar 21, 2020 at 6:38 am

      Hi Lars,
      ich hatte mal für ein paar Wochen eine Suunto Ambit. Alle, die die haben, sind sehr zufrieden und sie scheint sehr genau zu arbeiten. Für mich kommt sie aber nicht in Frage, weil sie viel, viel zu breit für mein Handgelenk ist.
      LG!
      Erika

  • Reply Pete Februar 3, 2020 at 3:41 pm

    Bin eben über diesen Artikel gestolpert, da ich überlege diese Uhr anzuschaffen und sie ebenso für das Bergsteigen nutzen möchte. Ich war auf Grund deiner Kritik zum Höhenmesser erst ein wenig abgeschreckt, hatte mir dann aber folgende Gedanken gemacht:
    Ein Barometer misst den Luftdruck. Dieser ist abhängig vom Wetter und der gegenwärtigen Höhe, wie auch von weiteren Faktoren. Aus dem Luftdruck ermittelt die Uhr dann die Höhe. Da der Luftdruck eben nicht konstant ist, muss der Barometer regelmäßig kalibriert werden. Jeder Barometer. Dies macht die Uhr (wie auch viele Altimeter) via GPS. Alternativ kann man bei manchen Uhren (meine Suunto Ambit Peak) auch eine Referenzhöhe eingeben. Fakt ist aber, das Ding muss kalibriert werden. Wenn du nun zur Kalibrierung des Barometers dein GPS permanent laufen lassen würdest, wäre Dein Kritikpunkt, dass die Batterie der Uhr im Normalbetrieb keinen Tag lang durchhalten kann. Und das nur dafür, dass man mal schnell auf die Höhe schauen kann. Wenn es der Preis ist, den Barometer regelmäßig zu kalibrieren und ansonsten eine so feine Uhr zu haben, dann werde ich mir die wohl jetzt kaufen 🙂

    • Reply ulligunde Februar 21, 2020 at 6:39 am

      Hi Pete,
      das klingt doch nach einer fundierten Überlegung =) Viel Spaß mit der Uhr!
      LG,
      Erika

  • Reply OutdoorFollka April 16, 2020 at 1:44 pm

    Hallo,
    klasse Artikel.
    Mich haben die Garmin Uhren auch absolut überzeugt.
    Vielen Dank und LG
    Follka

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