Bloggertreff alpin (Hochtourenkurs Obergurgl)

Juli 9, 2018

Ich erinnere mich noch gut an eine Zeit als Hochtouren-Anfänger: Diese Faszination für Gletscher. Der Respekt, den man vor ihnen hat. Und die Verlockung, auch einmal Steigeisen anzuhaben und in diese wilde, ursprüngliche Alpinwelt einzutauchen. Oft fehlt es an den passenden Tourenpartnern im Freundeskreis, die einen bei so etwas mitnehmen. Ein Hochtourenkurs ist da die Alternative, nicht nur um die Techniken kennen zu lernen, sondern vor allem auch, um Gleichgesinnte zu treffen. Wenn dann noch Doppelbett, Sauna und Verpflegung eines Vier-Sterne-Hotels im Preis inbegriffen sind? Umso besser! 

//Fünf von uns Alpinbloggern (Liste und Links zu deren Artikeln siehe unten!) durften dieses Event begleiten. Vielen Dank für die Einladung!//

Anfänger-Hochtour par Excellence

Hohe Mut Liebenerspitze HochtourSonntag. Verquere Welt: Während der fertig gepackte Hochtourenrucksack an der Türe lehnt, gibt es drinnen Rührei, Birchermüsli und Cappuccino. Die Augen sind nicht klein, die Stimmung nicht wortkarg und nervös wie normalerweise kurz vor Start der Hochtour, sondern völlig entspannt und ausgeschlafen. Kein Wunder, die Sonne ist schon seit Stunden am Himmel, als wir mit der eigens für uns früher eingeschalteten Bergbahn nach oben schweben.

So schön!

Zustieg Liebenerspitze RotmooskopfWährend unsere Blogger-Rasselbande in herrlichem hochalpinen Gelände zur Gletschermoräne schlenderte, wanderte der Blick rund herum: Was für eine wunderschöne, wilde Gegend! Und im Gegensatz zu den berühmten Ausbildungsstützpunkten wie Taschachhaus und Co. waren wir die einzigen im ganzen Tal. Ein Moment zum Innehalten. So schön!

…Aber nur kurz, denn gleich ging es weiter. Drei der insgesamt sechs Gruppen hatten sich bereits gestern für die Überschreitung der Liebenerspitze entschieden – eine Tour, die von allem ein bisschen bietet, aber nie ganz schwer wird. Inklusive herrlicher Aussicht bis weit nach Südtirol und vor allem samt Doppelgipfel mit sympathischer Höhe: 3399 Meter ragt die höhere der zwei Erhebungen in den Himmel.

Grat Liebenerspitze leichte Hochtour

Liebenerspitze: Ideale Anfänger-Hochtour

Während eine weitere Gruppe den deutlich einfacheren Rotmooskogel ansteuerten wanderten wir über den bereits leicht angefirnten Gletscher. Eine spannende Querung durch steilen Schnee später standen wir am schuttbedeckten, breiten Gratrücken, der plötzlich den Blick nach Südtirol enthüllte. Marmolada, Langkofel, Ortler, Hochwilde – alle standen sie da! Das Staunen war groß, nicht nur bei jenen Teilnehmern, für die bereits hier ein neuer Höhenrekord erreicht war.

 

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Diese Tour fand im Rahmen der SAFETY ACADEMY von Ortovox in Obergurgl Ende Juni 2018 statt.
Alle Infos zur Veranstaltung gibt es hier.*
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Lowa Hochtour Stiefel Ortovox

Abwechslungsreich

Aber nicht nur die Begeisterung war stark, sondern vor allem auch der Wind. Dick eingepackt ging es am Seil durch zunächst bröseliges Schuttgelände hinauf, die letzten Höhenmeter verliefen dann in mehr oder weniger festem Blockgelände, das bei so manchem Schritt Schwindelfreiheit erforderte. Aber kein Problem, die Bergführer gaben Acht und so standen wir bald am Vorgipfel der Liebenerspitze. Wieder ein neues Panorama, nochmals ein neuer Höhenrekord.

Hochtour Obergurgl Liebenerspitze

Der Hauptgipfel kam bereits in Sicht, erforderte aber nochmals schöne Kletterei  – dank einer Gesteinsader kurioserweise plötzlich im Kalk, anstatt wie sonst hier üblich im Gneis. Das Plateau rund um das Gipfelkreuz war klein, der Tiefblick umso größer. Eine wahnsinnig schöne Aussicht, trotz des etwas diesigen Wetters.

 

Nicht trödeln!

Gipfel LiebenerspitzeAllzu lang war die Pause jedoch nicht, denn das »nicht trödeln« ist durchaus auch eine wichtige Fähigkeit auf Hochtouren. Die erste Gruppe machte sich bereits fertig zum Abstieg und balancierte über den schmalen Firngrat hinunter. Ein gruseliger Anblick irgendwie. Am Ende entpuppte sich der Grat aber wieder als nicht ganz so schlimm (aber eben auch nicht ganz trivial!) – mit Höhenangst aber sicher eine Herausforderung.

Nach Firn kommt Eis

Wer jedoch meinte, nach dem Grat seien die Herausforderungen vorbei, der irrte. Über eine teilweise recht steile Firnflanke ging es in Richtung Gletscherbecken, der Schrund musste bereits mit einem beherzten Schritt übergangen werden. Nach einer kurzen Erholungsphase im flachen Gelände folgte die letzte große Hürde: Mit sauberer Steigeisentechnik stapften wir eine apere, steile Flanke hinab. Immer wieder unangenehm, speziell wenn mehrere Leute mit unterschiedlichem Tempo am Seil hängen. Aber auch das klappte und so durfte ab dem Gletscherrand jeder mit seinem ganz eigenen Tempo den bereits bekannten Weg zurück ins Tal gehen.

Mit Highspeed ins Tal

Wanderung Gletscher Hohe Mut AbstiegGehen? Während ich noch von Bergschuhen auf leichte Laufschuhe wechselte (immer wieder ein Fest, den Talhatsch mit leichten Schuhen zu absolvieren!), waren die meisten bereits außer Sichtweite. Bis alles verpackt und die sagenhaft schöne Landschaft fotografiert war, stand ich plötzlich ganz allein in diesem herrlichen Tal – offensichtlich waren viele der Teilnehmer fitte Läufer oder hatten es aus anderen Gründen eilig.

Staunt denn keiner mehr?

Ein eigenartiger Moment. Ich war irgendwie… verwirrt! War ich wirklich so langsam? Oder ist die nächste Generation einfach noch viel fitter? Werde ich alt? Und warum ist hier kein einziger, der zurückfällt, einfach weil er  – wie ich – immer wieder stehen bleibt, um diese unfassbar mächtige Gletscherwelt zu bestaunen?

Es ist doch gerade dieser Moment, der so intensiv ist: Wenn man zurück schaut und weiß, dass man gerade eben noch dort oben war. Diese Kontraste – dort weiß
Anfänger Hochtour Ötztalund kalt, hier unten grün und warm. Dort oben:
anspruchsvoll und konzentriert, während hier unten die Anspannung abfällt und pure Freude ins Herz schleicht.

Ist es nicht dieser Moment, in dem man Kopf schüttelnd seinen Partner anlacht, sich in die Arme fällt, stolz auf seine Leistung ist und dankbar für dieses Leben? Mit einem verwirrten Herz schlenderte ich zurück ins Tal. Blöder Zufall? Dynamik einer Gruppe? Oder eine neue Generation der Bergsteiger?

 

Facts Liebenerspitze: Eine gute Anfänger-Hochtour

Die Überschreitung der Liebenerspitze ist eine abwechslungsreiche Hochtour, die von allem etwas bietet. Aus meiner Sicht macht sie in der Richtung West-Ost Sinn, weil man dort zumindest über ein paar Meter Felsklettern (gefühlt maximal II, teilweise etwas ausgesetzt, kann alles umgangen werden) kann. Unbedingt vorsichtig die Griffe prüfen, der Fels ist nicht immer fest!

Ausrüstung: Gletscherausrüstung (speziell am Gaisberggletscher hat es Spalten!). Nachsichern von weniger erfahrenen Tourenpartnern am ehesten noch über Köpfl.

Diese Ausrüstung war in meinem Fall dabei:

 

Die SAFETY ACADEMY (»Hochtourenkurs Obergurgl«)

Hochtourenwochenende Anfänger Obergurgl HochtourFür Anfänger, die die ersten Schritte am Gletscher versuchen möchten und es insgesamt einfach etwas gemütlich haben möchten, ist die Safety Academy in Obergurgl definitiv ein Gedanke wert. Der Zustieg zum Gletscher findet per Bergbahn statt, sodass viel Zeit zum Üben bleibt. Direkt am zweiten Tag wird das Gelernte im Rahmen einer Tour angewendet, die an das Können der Gruppe angepasst ist – die Möglichkeiten reichen von einfachen, aber dennoch herrlich aussichtsreichen Gletschergipfeln bis hin zu abwechslungsreichen Überschreitungen über Fels und Firnflanken. Dazwischen gibt’s exzellente Verpflegung, eine richtige Dusche und ein gemütliches Bett für sich alleine. Alles ein bisschen entspannter eben! Und wer noch nicht überzeugt ist: Einen Rucksack vom Sponsoring-Partner ORTOVOX gibt’s noch gratis oben drauf.

Hochtour ObergurglWenn also jemand von Euch die Faszination für Gletschertouren in sich trägt und gerne in zivilem, entspannten Umfeld übernachten möchte, dem sei die Safety Academy in Obergurgl empfohlen. Und vielleicht behält ja der ein oder andere im Kopf: Es ist ein Privileg, in dieser Landschaft unterwegs zu sein – das kann man sich kaufen, im Falle der Safety Academy sogar für vergleichsweise sehr wenig Geld. Es ist aber auch ein Privileg, diese Landschaft überhaupt noch miterleben zu dürfen, denn die Gletscher werden verschwinden. Nehmt Euch Zeit zum Genießen und zum Staunen. Die Landschaft ist es so sehr wert.

Alpin Blogger Berg Hochtour

Die Alpinblogger

Danke an der Stelle an die lieben Bloggerkollegen, die nicht nur Seil, sondern auch Tisch, Essen und Bier geteilt haben! Die idealen Fotomodells von You Are An Adventure Story, der Kopf-voraus-aus-der-Komfortzone-springende Robert von VitaminBerge, der fotografierende Dennis von abenteuersüchtig.de, Taxi-Gregor von Jäger der Berge,  Grinse-Thomas von Mehr Berge und natürlich Schlummifix persönlich. Es war mir eine Freude!

* Werbung. Ich war als Fotograf engagiert, der Blogartikel entstand freiwillig.

Der Hochtourenkurs in Obergurgl in Bildern:

 

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5 Comments

  • Reply Tom Mele Juli 10, 2018 at 8:27 am

    Toller Beitrag, vielen Dank für die Infos.
    Leider habe ich dich auf der Outdoor Messe verpasst. Ich hätte dich gern mal kennengelernt.

    • Reply ulligunde Juli 12, 2018 at 11:35 am

      Hi Tom,
      schade! Ich war am Montag und Dienstag immer wieder mal an der BloggerBase, aber dass man sich dort verpasst, ist auch nicht allzu schwer bei all dem Trubel auf der Messe 😉
      LG!
      Erika

  • Reply Oliver Juli 10, 2018 at 7:44 pm

    Sehr coole Aktion. So Bloggertreffen machen doch bestimmt immer sehr viel Spaß 🙂 Magdalena,Anja und Marcel kenne ich schon von Instagram. Da folge ich ihnen auch sehr gerne auf ihre größeren Expeditionen. (Elbrus,Island Peak) Im ersten Absatz kann ich dir nur zustimmen. Mir haben auch Tourenpartner gefehlt.Vor allem welche, die noch in meinem Alter sind. Da gibt es leider nicht so viele von 😀
    Aber in 2 Wochen geht es trotzdem in die Schweiz…Walliser Gipfelparade 😀 Ich bin schon gespannt. Und von etwas älteren Leuten kann man doch meistens auch mehr lernen 😀
    Lg

    • Reply ulligunde Juli 12, 2018 at 11:34 am

      Hi Oliver,
      Wallis! Großartig! Da war ich – wenn ich mich recht erinnere – noch nie richtig an den hohen Bergen unterwegs. Das wird bestimmt der Knüller, speziell wenn ihr Glück mit dem Wetter habt. Ich drück Euch die Daumen!
      LG#Erika

      • Reply Oli Juli 12, 2018 at 11:39 am

        Das hoffe ich auch 🙂 Danke
        Lg

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