Folge dem Kuchen (Trainer-Ausbildung beim DAV)

Juli 5, 2016

Über die Jahre lernt man beim Klettern viel, eignet sich aber auch vieles an, das womöglich gar nicht wirklich richtig ist. Aber woher soll man es wissen? Wer korrigiert einen schon, wenn man den Stand unnötig kompliziert aufgebaut hat? Und wer verrät einem die kleinen Kniffe, um effizienter, sicherer oder simpler unterwegs zu sein? Die Ausbildung zum Trainer B Alpinklettern beinhaltet all das, denn am Ende soll man sein Wissen in Kursen weitergeben. Perfekt!

Sonnenuntergang an der BlaueishütteAlles rund um’s Klettern noch einmal von Grund auf erklärt zu bekommen, das wär’s. Wo in der Cassin womöglich eher mehr Glück als Verstand dabei war, wollte ich nun endlich wissen, wie man Standplätze richtig baut, wie man noch schneller werden kann und wie das mit dem Führen von Anfängern so geht. Dieses Wissen dann verständlich weiterzugeben reizt mich. Und so bewarb ich mich einfach mal bei meiner DAV Sektion für die Ausbildung zum »Fachübungsleiter«, bzw. »Trainer B Alpinklettern«.

Noch während des persönlichen Gesprächs kam direkt die Zusage. Erster Gedanke: »Woah, das ist ja cool!«. Zweiter Gedanke: »Oh shit, dann muss ich ja jetzt wirklich…!?«. Aber gut, wenn die bei der Sektion meinen, dass ich das kann… Dann kann ich das! Punkt! Aus! Los geht’s!

Nationalpark Berchteswas?

Der richtige Umgang mit dem HMS. Vorstieg, Nachstieg, Körpersicherung, Ablassen... Nach der Woche ist das definitiv gelernt.Der erste von drei Ausbildungsblöcken fokussiert sich auf die Grundzüge im Fels (Standplatzbau an mindestens einem guten Fixpunkt, Sichern per HMS, Abseilen/Ablassen etc.) und auf das Vermitteln von Wissen. Vergangene Woche ging es dafür also auf die Blaueishütte im Nationalpark Berchtesgaden, der so dermaßen weg vom ulligundschen Vertikal-Lebensraum liegt, dass ich keine Idee hatte, was mich erwarten würde.

Wem ich aber auch vom Ausbildungsort erzählte, der schwärmte unvermittelt von dem großartigen Kuchen. Scheint ein akzeptabler Ort zu sein! Zeit für einen eigenen Test.

Hier kann man’s aushalten

Aufstieg im Nieselregen zur BlaueishütteGemeinsam mit zwei sympathischen Münchnern ging’s per DAV-öko-gerechter Fahrgemeinschaft nach Ramsau und in 1,5 Stunden im Nieselregen zur Hütte. Coole Truppe, sympathische Bergführer, sogar vier Mädels (von zwölf), genug zu Essen. Check, Ulligunde überlebensfähig.

Die größere Begrüßung fiel dem EM-Deutschlandspiel zum Opfer, aber dank einiger fußball-un-begeisterter Kollegen wurde es gleich mal ein netter Abend.

Theorie, Praxis, Tour

VV3B1494Während sich am Montag die letzten Regenwolken entleerten, vermittelten uns die Bergführer Hans und Korbi vormittags Theorie, nachmittags im benachbarten Klettergarten Standplatzbau in sämtlichen Facetten. Zur Erholung zwischendurch wurde natürlich der Kuchen erstmal getestet. Käsekuchen, oder genaugenommen Sahne mit Käsekuchen. Hm! Guuuut!

Lehrübungen und persönliches Können

Lehrübung im Sonnenuntergang vorbereiten, durchspielen und üben.Der Abend war gefüllt mit der Vorbereitung unserer ersten Lehrübungen, der ganze folgende Vormittag mit Präsentation eben dieser. Es machte Spaß, anderen dabei zuzusehen, wie sie HMS-Sichern, Ablassen ohne Tube, Prusiken, Schleifknoten und das Legen von Keilen vermittelten, Feedback zu geben und auch selbst einmal zu „lehren“.

Nachmittags ging’s ins gemütliche Vierer-Gelände, wo die Bergführer seilfrei um uns herumhuschten und schauten, ob wir auch gut aufgepasst hatten. Danach? Erstmal Kuchen. Marmorkuchen. Auch lecker!

Schärtenspitze Westgrat

Am Westgrat der SchärtenspitzeDas gute Wetter am Mittwoch wurde gleich für die nächste Tour genutzt. Standardmäßig müsste man sich für diesen Kurs im Vierergelände gut bewegen können, es fanden sich aber prompt sechs Leute, die sich gerne einer „schweren“ Tour stellten: Der Westgrat der Schärtzenspitze (5+) hat zwar weniger etwas mit Grat, aber durchaus mit netter Kletterei zu tun. Die Bewertung „E6“ ignorierte ich sicherheitshalber mal, letztendlich war die Sache aber auch wirklich nicht so wild. An allen wichtigen Punkten Ohooooben. Schärtenspitze Westgrat.gab’s Borhaken oder alternativ Plätze für Keile und Friends.

Mit René bildete ich die erste Seilschaft und machte mich auf die Suche nach den Ständen. Ein grauer Haken in grauem Fels, teilweise nicht ganz so leicht zu finden. Mehrmals suchten und suchten wir und standen intuitiv direkt davor. Klassiker.

Zur Mittagszeit saßen wir bereits wieder fröhlich an der Hütte und – natürlich – probierten uns weiter durch die Kuchentheke. Käse-Kirsch-Kuchen. Und natürlich Sahne. Fett!

Schöne Aussicht von der Blaueishütte.Mimimi!

Donnerstag wurde es dann ernst: Die Lehrproben standen an. Den Kollegen vermittelte ich die Abseilsicherung mittels Prusik, Bergführer Hans war’s zu wenig ausführlich und so ging ich „nur“ mit Note 2 raus. Im ersten Moment ärgerlich für’s Lehrerkind, im zweiten Moment aber ja völlig egal. Hauptsache bestanden.

Und schon wieder rum

Seil einpacken, runter, rüber und ab in die nächste Tour.Noch mehr Theorie zu Recht, Führeralltag und „Prävention sexualisierter Gewalt“ folgte (und Praxistest von Kuchen Nummer 4, Himbeer-Käsekuchen. Highlight bisher!), bevor am Freitag noch eine weitere Tour anstand: Zwei Mehrseillängen im vierten Grad in möglichst kurzer Zeit. Die Bergführer machten Stress, wodurch wir nach fünf Stunden und 15 Seillängen schon wieder beim Kuchen saßen. Mohn. Mit Sahne. Noch ein paar Tage und wir hätten den Abstieg runterrollen können!

Kurz mal die Ruhe genießen.Stattdessen gab’s Abschlussfeedback, Noten und Hinweise zum nächsten Ausbildungsblock.  Damit das mit dem Runterrollen aber doch noch klappt, wurde die ein oder andere bestandene Prüfung mit Schnaps begossen. Marille, kommt auf der Blaueishütte übrigens nah an den Himbeer-Kuchen dran.

Ab ins Ötztal!

Mit der Zulassung aus diesem Kurs geht es dann Anfang August für neun Tage auf die Vernagthütte im Ötztal, wo es vorwiegend um’s „Führen“ und um Gletscherkunde gehen wird. Ich bin gespannt! Und freue mich jetzt erstmal wieder darauf, das Defizit an steilem Fels im aktuellen Routenprojekt wieder auszugleichen.

»»Nachtrag: Hier geht’s zum Bericht des zweiten Kurses.

Kursalltag.Zur Ausbildung:

Die Ausbildung ist in drei Blöcke gegliedert. Die ersten zwei („Fels“ und „Eis“) führen zum „Trainer C Bergsteigen“, mit dem man klassische Bergtouren bis in den zweiten Grad führen darf. Wer dann noch einen weiteren Block draufsetzt, kann sich spezialisieren und den „Trainer B“ erlangen – in dem Fall entweder Hochtouren oder Alpinklettern. Im ersten Block („Fels“) geht es vorwiegend um Grundzüge beim Sichern im Fels und um das Vermitteln von Inhalten. Auf wenig anspruchsvollen Touren wird das persönliche Können geprüft, bei dem jeder, der in Richtung Alpinklettern oder Hochtouren weitermachen möchte, diesen Bereich mit „sehr gut“ bestehen muss. Im zweiten Teil geht es dann um die Leitung von Gruppen und das Verhalten im Eis, im Klettersteig und am Gletscher. Eine Theorieprüfung muss dort dann auch noch bestanden werden.

 

 

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1 Comment

  • Reply Harald Juni 22, 2018 at 1:54 pm

    besten Dank für Deinen tollen Artikel. Ich bin nun schon ein wenig älter (dieses Jahr dann 55) und wage doch noch den Weg zum TrC Bergsteigen. Mitte Juli bin ich ebenfalls im Blaueis. Und ich freue mich darauf mit einer gewissen Portion Respekt.

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