Auf Allgäus schwersten Gipfel: Siplinger Nadel

Mai 3, 2013

Endlich mal wieder eine Aktion ganz nach meinem Geschmack: Kondition fordern, etwas Neues sehen und viel Futter für die Kamera: Top-Voraussetzungen für einen gelungenen Tag. Der Plan war nichts Geringeres, als einen der schwersten Gipfel des Allgäus zu besteigen.

Die Siplinger NadelWelcher es nun ist, der schwerste Gipfel des Allgäus, ist schwer zu sagen. Fest steht, dass es sich dabei um Felstürme handelt, wo selbst der Normalweg, also der leichteste Weg zum Gipfel, bereits Kletterausrüstung erfordert. Paradegipfel dieser Kategorie sind zum Beispiel die Trettach (3) oder etwas weniger bekannt der Kloppenkarturm (5). Jener, den wir uns gestern ausgesucht haben, war die Siplinger Nadel – eine Konglomerat-Nadel mit nur einer Seillänge, deren leichteste Aufstieg eigentlich eine 5 ist. In Anbetracht des brüchigen Steins, der alten Schlaghaken (in Komglomerat!) und der Tatsache, dass wir auch mit genauem Hinsehen nur maximal zwei dieser Haken gesehen haben, würde ich einmal behaupten, dass hier der Normalweg eher die etwas daneben liegende 6+ ist. Diese Route verläuft im linken Wandteil zwar durch extrem brüchiges Gestein, wartet dafür aber mit verhältnismäßig geringen Hakenabständen und vertrauenserweckend(er)en Haken auf.

Alpincharakter: Am Vortag zum Einstieg

Klettern Siplinger Nadel01Zwar handelt es sich bei dieser Tour keinesfalls um eine alpine Angelegenheit, die es erfordern würde, am Tag zuvor bereits am Zustieg zu sein, aber um vielleicht ein paar schöne Fotos im Sonnenaufgang zu erwischen, fuhren wir am Vorabend bereits nach Balderschwang und übernachteten dort in unserem Bus. Die Nacht war angenehm, das Rauschen des Baches direkt neben uns hatte endlich mal wieder etwas von „Lagerfeuerromantik“. Um 5 Uhr am nächsten Morgen klingelte der Wecker. Ein kurzes Frühstück (wir mussten nur eine Milch von zu Hause  mitnehmen – alles andere ist im Bus gelagert – ein großartiges Gefühl 😉 ), die Bikes aus dem Auto holen, ein letzter Blick auf die Karte und los ging‘s.

Mit dem Bike los…

Kurzer Regenschauer bei der AnfahrtDie ersten 300 Höhenmeter wollten wir mit den Bikes zurücklegen – „das dauert nicht lang“, dachten wir. Mit schweren Rucksäcken, wo nicht nur das übliche Geraffel wie Wasser, schwere Kamera und Brotzeit, sondern auch Seil und Sicherungsmittel drin waren und den schweren Stiefeln an den Füßen dauerte es dann aber doch etwas. Ein kurzer aber starker Regenschauer zwang uns zudem zu einer kurzen Rast.

…zu Fuß zum Einstieg…

Und später zu Fuß durch den SchneeAuf Höhe der Oberen Socheralpe tauschten wir Räder gegen Füße und wanderten weiter in Richtung Obere Wilhelminealpe, wo bereits eine durchgehende Schneedecke wartete. Der Weg zum Gipfel führt im Sommer normalerweise recht steil durch schmale Rinnen, die jedoch noch mit dicken Schneefeldern gefüllt waren. Nach etwas gruseligem Schneegeklettere erreichten wir den Siplinger Kopf und genossen ausgiebig unsere Bio-Mahlzeit. Die günstige Miete auf dem Land macht’s möglich. Da mit dem „Gipfelsieg“ für uns die Tour jedoch noch lange nicht rum war, wanderten wir gemütlich über Schneefelder auf der anderen Seite des Gipfel hinunter zur Siplinger Nadel. Nach gut 200 Höhenmetern kam sie ins Blickfeld: Eine aufragende Felsnadel mit kleinem Gipfelkreuz, eine schöne Erscheinung.

… mit allen Vieren auf den Gipfel …

Klettern an der Siplinger NadelSchon beim Näherkommen sah der ganze Turm etwas brüchig aus. Konglomerat ist ja von Haus aus nicht das festeste Gestein und jetzt, kurz nach dem Winter, war es schon von vorne rein klar, dass es eine brüchige Angelegenheit werden würde, immerhin bauten wir im Konglomerat-Bouldergebiet „Rottach“ vor wenigen Wochen teilweise ganze Boulder auseinander.
Die Normalroute, die im Führer mit Schwierigkeitsgrad 5 bewertet ist, konnten wir im ersten Moment nicht entdecken. Nur die „Diretissima“, die von einem Freund vor einigen Jahren eingebohrt wurde (ca. 7-, nicht im Führer) und die 6+ etwas weiter links war sichtbar.

Erst beim Begehen der 7- entdeckten wir einen alten Schlaghaken, der scheinbar zur Normalroute gehören musste. Jetzt wo wir wussten, wonach wir suchen mussten, entdeckten wir noch einen weiteren Haken – ob die restlichen auch noch irgendwo sind, kann ich nicht sagen.

Die Kletterei an der Siplinger Nadel war jedenfalls fürchterlich brüchig – egal wohin man langte, wackelten oder lösten sich Steine. Der erste Haken, der erst in ca. sechs Meter Höhe steckt, erfordert da schon ein starkes Nervenkostüm.
[vimeo http://www.vimeo.com/65317458 w=400&h=225]

… und alles wieder zurück

Starkes Team„Haben wir das halt auch mal gesehen“, war das Fazit beim Zusammenpacken. Irgendwie eine kuriose Unternehmung, aber so legendär, dass man sie ein zweites Mal erleben müsste, war sie nun auch wieder nicht. Wir stiegen die Schneefelder wieder auf und bogen oben am Siplinger Kopf in die einzige Richtung, die wir noch nicht begangen hatten: Den Weg nach Westen. Den alten Skispuren folgend, rutschten wir auf fast durchgehenden Schneefeldern gemütlich zurück zu den Rädern und rollten von hier bis zum Bus.

 Drei Sportarten in einer Tour

Verdient!Insgesamt war es ein richtig schöner Tag, der einige Sportarten vereinte. Die Sonne schaffte es zwar nie so richtig durch die Dunstdecke, aber angenehm warm war es dennoch. Und so konnte ich bereits einen weiteren Punkt von meiner „Outdoor-Wunschliste“ abhaken. Das abendliche, phänomenale Burger-Grillen war der perfekte Abschluss für solch einen ersten Mai.

Ein paar Eindrücke zur aktuellen Schneelage im Allgäu:

  • Aktuelle Bedingungen an der NagelfluhketteDie Nagelfluhkette (Mittag bis Buralpkopf) sieht südseitig schon gut begehbar aus.
  • Das Autal scheint bis zur Aualpe gemäß eines anderen Skitourengehers gut mit dem Fahrrad befahrbar zu sein, aber komplett schneefrei ist die Straße bis zur Scheiwangalpe/Geichenwangalpe noch nicht, zumindest laut Gästeinfo Gunzesried/Immenstadt.
  • Der Besler ist nordseitig noch durchgehend mit Schnee bedeckt, ebenso wie das Riedberger Horn (nicht nur nordseitig) und das Höllritzereck.
  • Der Grünten dagegen sieht quasi schneefrei aus.

 

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9 Comments

  • Reply Bernd | KritzelKraxel.net Mai 4, 2013 at 5:16 am

    Da war ich auf Twitter ja ein kleines bisschen zu schnell mit dem Fair means, aber ich sehe Euch das nach. Denn ich kann es nicht besser! Meine CO2 Bilanz ist sicherlich nicht gut. Wie auch immer, da hattet Ihr aber eine tolle Idee. Die Kombination aus Radeln, Wandern und Klettern ist ja ein wenig anders nicht unbekannt. So etwas würde mir wohl auch gefallen. Machbar ist das aber auch bei mir in Westfalen, wenn auch mit reduzierter Anzahl an Sportarten.
    Einen kleinen subjektiven Kritikpunkt habe ich aber, wer ist denn da noch auf das Gipfelkreuz geklettert? Das, finde ich, muss aber doch nicht sein, oder? Guckverwundert

    Trotzdem eine nachahmenswerte Tour!

    Viele Grüße, Bernd

  • Reply Hendrik Mai 4, 2013 at 2:17 pm

    Gefällt!

    • Reply ulligunde Mai 4, 2013 at 5:34 pm

      Dein Kommentar auch 😉 Danke!

  • Reply Felix (nordtrekking.de) Mai 5, 2013 at 6:32 pm

    Super toll, und Milch kann man ja auch als Pulver im Bus (für den Notfall ^^) lagern.

  • Reply Gerdi Mai 6, 2013 at 1:11 am

    Wir waren 2 Tg im Dunst+Nebel am See beim Segeln und Ankern, du in schwindelnden Höhen klettern…im Schnee rutschend am Radl…aber glücklich. Vergiß nicht, dich für den Schutz von oben zu bedanken. Ich sang im Chor grad: Wer nur den lieben Gott läßt walten…”(Mendelssohn)… Gepaart mit guter Vorbereitung ,bester Ausrüstung und hervorragender Fitness ist das dann ein wohlverdienterTriumph mit Glücksgeheul..äh Glücksgefühl! Kompliment.

  • Reply Schlauer Meier Mai 8, 2013 at 12:51 pm

    Wie Widderstein einer der schwierigsten??? Da bin ich mal vom Klettern runtergelaufen (Wanderweg), is vlt. ne 1-…

    • Reply ulligunde Mai 12, 2013 at 4:15 pm

      Hoi, da hast du Recht! Besser’ ich gleich mal aus – danke für den Hinweis!

  • Reply Testbericht Vector von Black Diamond (Kletterhelm) « ulligunde Mai 17, 2013 at 5:35 pm

    […] alpinen Gelände zum Gebrauch, wo er gleich einmal bitter nötig war. Wir stiegen auf einen der „schwersten Gipfel des Allgäus“, eine kleine Felsnadel aus Konglomerat („Siplinger Nadel“). Ob es am zurückliegenden Winter […]

  • Reply Burgberger Hörnle – Südgrat « ulligunde Mai 28, 2013 at 8:27 pm

    […] Burgberger Hörnle seilfrei” stand auf meiner Wunschliste für 2013, direkt unter “schwerster Gipfel im Allgäu (1): Siplinger Nadel“, an dem ja bereits ein Häkchen prangt. Gestern war es dann so weit: Sonne! Nichts wie […]

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