Das Highlight mit Highlight und Highlight und Highlight (Mt. Anne/Tasmanien)

Oktober 22, 2010

„You will have a choice between shitty and very shitty“. Chris und ich spielten die letzten Tage vor Hobart immer wieder mit dem Gedanken den South Coast Track zu laufen – eine herausfordernde, aber anscheinend landschaftlich extrem beeindruckende 7-Tages-Tour durch knie- bis hüfthohen Schlamm, mit Flussquerungen zu Fuß und bereitgestellten Booten, extremen Wetterumschwüngen und einem Flug zum Ausgangspunkt -Straßen gibt es im Südwesten Tasmaniens keine. Die Wettervorhersage überzeugte aber bis zur letzten Stunde nicht; die Regenwahrscheinlichkeit lag einfach viel zu hoch. An sich ist Regen kein Hindernis -wir sind beide gut ausgerüstet- allerdings werden die Flussquerungen bei starken Regenfällen sehr gefählich oder gar unmöglich und erzwingen so ein Ausharren am Flussufer. Der South Coast Track ist nie ein Zuckerschlecken – aber bei den Voraussagen gaben wir der Vernunft nach und wählten Plan B – wiedermal eine ausgesprochen gute Entscheidung, wie sich noch am selben Tag noch herausstellen sollte:

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Wenn schon in der Stadt muss man es ja auch genießen…

Die erste Destination die wir anliefen waren recht imposante Wasserfälle westlich von Hobart. Die Gegend ist touristisch gut ausgebaut und wir spazierten ganz wie „echte Touris“ mit Turnschuhen, ohne Gamaschen und ohne Rucksack die 60min über gut befestigte Wege.

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Ganz nett – tolle Wasserfälle ganz bestimmt, aber irgendwie nicht wirklich unser Ding. Zurück am Auto trafen wir die möglicherweise beste Entscheidung auf unserer ganzen gemeinsamen Reise: Die Besteigung des Mount Anne. In unserem Reiseführer ist die Tour als „schwarz“ deklariert – „schwer und nur für sehr erfahrene Bergsteiger“. Wir sind inzwischen gegenüber solchen Bezeichnungen etwas skeptisch, vor allem wenn sie von tasmanischen Tourismus-Behörden formuliert sind. Dass sich das Wetter schnell ändern kann, dass man bei starkem Wind sich nicht direkt an Klippenränder stellt oder die Tracks nicht mit FlipFlops startet scheint wohl nur für uns Bergkinder direkt einleuchtend, ansonsten stünden hier nicht so viele Warnschilder und Ausrüstungshinweise.

Schon am Eingang zum South-West National Park verschlug es uns ohne Vorwarnung vollkommen die Sprache. Berge – „richtige“ Berge, gepaart mit endloser Weite. Uns fehlten die Worte, hielten nur immer wieder wie gebannt mitten auf der Straße an um die nächste sich auftuende Aussicht überhaupt erfassen zu können. Wir staunten immer wieder mit offenem Mund über die Farben, die Weite, die schroffen Berge, die sich immer mehr lichtenden – tief hängenden- Wolken, den sich auftuende Stausee Lake Pedder.

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Endlich am Track-Einstieg angekommen hatten wir ursrpünglich geplant zu zelten und Steak mit Salat zu essen – aber die immer weiter aufreissende Wolkendecke ließ uns spontan entscheiden, bis zu einer 700Hm höher liegenden „gemütlichen“ Hütte zu laufen. Es war schon spät – es blieben nur noch ca. 2 Stunden bis die Sonne untergehen würde, also spurteten wir die Strecke in ordentlichem Tempo und wurden währenddessen nur immer wieder vom Wolken-Sonne-Spektakel abgehalten, welches sich über dem Lake Pedder abspielte. Es war überwältigend – die dunklen Wolken hingen tief und ließen immer nur schmale Sonnenstrahlen auf die Erde und den riesigen Stausee zu.

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An der tatsächlich ausgesprochen gemütlichen Hütte (die gemütlichste, die wir auf der ganzen Reise gehabt haben werden) angekommen wusste man gar nicht, was man besser in der Hand halten sollte – die Kamera um dieses Schauspiel festzuhalten oder bei Temperaturen um 0° die Tasse mit heißer Milch. Aber das kulinarische Highlight folgte auch hier noch: Während draußen die Hütte langsam vom aufziehenden Nebel verschluckt wurde, machten wir im Inneren Steak mit dicker Knoblauchschicht. Gegessen wurde zünftig mit selbstgeschnitzter Gabel und schweizer Taschenmesser. Ach, was heißt gegessen. Geschlemmt! Schon wieder fast sprachlos brachten wir immer wieder nur ein langes „mmmmmh“ raus. Als Beilage gab es Bruschetta und Baguette mit geschmolzenem Käse und dazwischen regelmäßig eine heiße Milch / Ovomaltine um die Kälte abzuhalten. Ob in dieser kleinen Hütte schon einmal jemand so gut gegessen hat, würde ich fast bezweifeln. Es war wirklich… naja. einfach saugut 🙂

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Die Wettervorhersage hatte ausschließlich für Donnerstag wenigstens „ansatzweise“ gutes Wetter im Südwesten vorausgesagt – wenn, dann also heute. Wir zögerten den Aufbruch bis mittags hinaus, immer in der Hoffnung, dass sich der morgendliche Nebel noch mehr auflösen würde. Um Zwölf wurden wir von zwei anderen Bergsteigern überrascht, die einen 4-Tages-Circuit vorhatten. Gemeinsam mit den zwei Hünen vom Festland starteten wir den steilen Aufstieg.

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Bloß nicht nach unten schauen. Besonders die ersten 200Hm zum ersten Gipfel waren mehr klettern als laufen und ich bekam schon erste Zweifel, ob ich schwarze Deklaration der Route nicht vielleicht doch unterschätzt haben könnte. Am Mount Eliza erst einmal angekommen verlief der Weg aber ein paar Stunden gemütlich über ein wunderschönes Hochplateau und der sich immer weiter auflösende Nebel eröffnete immer wieder neue Ausblicke auf die atemberaubende umgebende Landschaft.

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Die letzte Stunde ging es dann nochmal über endlose Geröllfelder. Inzwischen liefen wir zwar noch bei starkem Wind aber schon fast Sonne. Die Kletterei / Springerei über die großen Felsbrocken machte bei diesen Bedingungen schon fast richtig Spaß  (Chris -der schweizer Geißbock- hatte einen Heidenspaß 😉 ) – aber bei Nässe, Schnee oder Eis wäre die Tour an dieser Stelle zu Ende gewesen. So bahnten wir unseren Weg über Schneefelder, Felsen und beeindruckende, tasmanisch-alpine Flora (mit Palmen!) bis zur steil aufragenden Felswand, die das letzte Hindernis zum Gipfel darstellte. Chris erkletterte auch noch die letzten Meter während ich die beeindruckende Weite versuchte aufzunehmen.

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Als wir uns nach einer gemütlichen Brotzeit direkt am Klippenrand wieder zurück zur Hütte aufmachten schien uns die Sonne ins Gesicht und eröffnete nochmals neue, ungesehene Ausblicke.

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Die zweite Übernachtung auf der Hütte war ursprünglich nicht geplant, aber es war dort einfach so gemütlich – außerdem hatten wir uns auf dem Weg zum Mount Anne so viel Zeit genommen die Landschaft zu fotografieren, dass wir sowieso erst zum Sonnenuntergang am Auto gewesen wären – da zogen wir die Übernachtung mit Blick auf Lake Pedder vor und genossen die letzten Salami, Käse, Bort und Milchvorräte direkt unterhalb der sich wieder bildenden Wolkendecke.

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Wie der Wetterbericht vorausgesagt hatte, erwartete uns am nächsten Morgen eine schneebedeckte, neblige Landschaft. Der Schneefall wechselte nach kurzer Zeit in Regen was wir aber bei den beeindruckenden Erfahrungen der letzten Tage und der abermals spannenden Aussicht auf Lake Pedder und die wilde Arthur-Bergkette kaum wahrnahmen.

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