Work and Fly (Mönch, Berner Oberland)

Januar 28, 2019

Aletschhorn Berner Oberland GletscherSie brauchen Filmmaterial für ihren Vortrag. Arbeitsort: Mönch. DER Mönch. Und sie wollen niemanden sonst als mich. Ist heute schon Weihnachten?

Als Marlies und Andi von hochzwei.media mich im Sommer fragten, ihr Vortragsintro zu liefern, hatte ich zwei Gedanken:
1. Mega, was für eine Ehre!
Und:
2. Das ist so cool, das wird nicht stattfinden.

So ist das meiner Erfahrung nach oft mit coolen, nicht ganz einfach umzusetzenden Plänen: Sie kommen fast immer anders, als man denkt. Aber cool war die Idee allemal.

Ein Filmdreh am Mönch, Übernachtung in der benachbarten Mönchsjochhütte (immerhin die höchste bewirtschaftete Hütte der Schweiz), anschließender Abstieg mit dem Gleitschirm. Kein allzu aufwändiger Dreh und noch dazu mit zwei erfahrenen Berg- und Flughasen. Kann nicht besser werden!

Wird nicht stattfinden…

Berner Oberland Wolkenstimmung RotDie Haken: Ich freute mich auf viele Komponenten dieses Planes, aber vor allem auf einen Flug von dieser mächtigen Gletscherwelt, vorbei an Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Wahrscheinlichkeit, in dem kurzen Zeitfenster von etwa zwei Wochen einen Termin zu finden, bei dem sowohl Dreh- als auch Flugbedingungen gut sein würden, war natürlich klein.
Wird nicht stattfinden, ging mir immer wieder durch den Kopf.

Sagenhaft absurd

Fotoshooting Hochzeit GletscherUnd plötzlich standen wir in Interlaken am Bahnhof. Marlies und Andi – routiniert, was die Logistik an diesen Bergen angeht – überließ ich die Organisation und widmete mich ganz dem Staunen: Diese Berge sind doch immer wieder ein Erlebnis.

Mit der letzten Bahn ging es zum Mönchsjoch, auf planierten Pisten eine Stunde hinüber zur Hütte. Die durchlöcherte Felsnadel, die weniger Berg, viel mehr Bahnstation/Restaurant/Museum ist und das Hochzeitspaar mit Rollkoffer und HighHeels am Gletscher überrumpelte mich, obwohl ich es etwa so erwartet hatte. Und dann doch wieder nicht, die Absurdität dieses Ortes ist schwer zu fassen.

Schreckhorn Sonnenuntergang Berner OberlandAm Abend fröhliches Zusammensitzen, Drehplan besprechen, frühes Bett-Gehen. Der Wecker früh und doch nicht so früh, schließlich muss man von der Hütte aus nur zweimal umfallen und steht am Einstieg des zwei, drei-stündigen Aufstiegs. Es war klirrend kalt, eine feine Eisglasur überzog die Schlüsselstelle, die auf den ersten Metern wartet.

 

Kameramodus: ON

Filmdreh Gletscher MönchDas Bergsteigen trat für mich in den Hintergrund, mein Kameramodus war auf volle Kraft. Wir kamen ideal voran, erwischten einen Sonnenaufgang erster Güte an genau jenem Ort, den wir geplant hatten. Die Finger eingefroren vom handschuhlosen Fliegen der Kamera, das Herz fröhlich von diesem perfekten Zusammenspiel aus Natur, Protagonisten und Kamera. Findet das hier wirklich gerade statt!? 

Kurz vor dem Grat Mönch.Von dem Gipfelgrat war in der Hütte schon viel gemunkelt worden. Schmaler als sonst, ausgesetzt wie noch was. Voll im Kameramodus war mir der Gipfel nicht wichtig. Oder war es der Respekt vor der Ausgesetztheit und die guten Filmaufnahmen nur ein Vorwand? Ich schaute es mir kurz an, drehte gelassen um und kümmerte mich um gute Aufnahmen. Sie gelangen, das machte mich glücklicher als der Gipfelerfolg.

Bergsteigen Berner Oberland Gletscher HochtourBeim Umkreisen des Gipfels mit Marlies und Andi als einzige Menschen in dieser gewaltigen Landschaft hatte ich nur noch eine Sorge: No signal. Immer wieder brach die Verbindung zum kleinen Summsumm ab, die Angst, jetzt – wo so viel gutes Material schon auf der Speicherkarte war – das Ding noch in der Nordwand zu versenken, trieb mich um. Aber alles klappte und mit dem letzten Hauch von Akku landete die Kamera in meiner Hand.

Urlaub am Viertausender

Hochzwei.media

Der Abstieg gelang gemütlich, wenige Aspiranten kamen uns entgegen, das Wetter war mehr als perfekt. Den restlichen Tag holten wir den Schlaf der Nacht nach, drehten abends die letzten nötigen Szenen und probierten uns am Abend an der Wirkung von Wein auf dieser Höhe.

 

Das entstandene Material wurde u.a. dann auch von Lowa verwendet:

Gleitschirm-Flug vor
Eiger, Mönch und Jungfrau

Gleitschirm Startplatz MönchsjochAm nächsten Morgen dann mein ganz persönliches Highlight: Mein zweiter Gleitschirm-Flug von einem Gletscher. Vorfreude verdrängte Nervosität, ich hoffte mit allen Sinnen, dass Wind und Startplatz uns das Losfliegen ermöglichen würden. Die größte Herausforderung bis dahin war an diesem Tag aber sicher, überhaupt einmal den Weg durch den Irrgarten der Gipfelstation zu finden. Irgendwann spuckte uns das Tunnellabyrinth dann doch auf der richtigen Seite aus. Halleluja.

Gelingt auch noch das i-Tüpfelchen?

Gleitschirm Gletscher MönchWind? Null. Startplatz? Bei den letzten Schritten sollte nichts mehr schief gehen, sonst wartet der Abgrund. Aber sonst? Cool! Vorfreude und Spannung, ob es wirklich wahr werden würde. Zusammenreissen, um doch noch ein paar Szenen zu filmen, auch wenn sie für den Vortrag nicht nötig sein würden. Aber wer weiß, was aus dem Material noch entsteht…

Marlies war bereit, schaute noch ein letztes Mal zurück, rannte mit voller Kraft los und verschwand im Abgrund. Mir blieb der Atem für einen Augenblick stehen. Wenige Sekunden später erschien ihr Gleitschirm draußen in der Luft, er schwebte friedlich hinaus in die andere Dimension. Zwei Jubelschreie – einmal von ihr, einmal von uns. Andi und ich folgten, alles klappte einwandfrei.

Pures Glück.

Gleitschirm Pi2 Gletscher Mönch JungfrauIch fotografierte wie blöd, hielt aber immer wieder inne. Staunte. Zeit war genug, denn der Flug hinab ins Tal dauert lange! Eiger dort drüben, Jungfrau über mir. Mächtige, zerfetzte Gletschermassen weit unter mir, knapp darüber ein rot-weißer Schirm: Andi, der sich die Spalten noch etwas genauer ansah.

Ins Gurtzeug gefläzt, mit der Kamera griffbereit, wich die Anspannung des Morgens von »Werden wir starten können?« in pure Freude: »Es hat geklappt!!« Wir fliegen, es ist tatsächlich wahr geworden. Eine tiefe Dankbarkeit machte sich breit. Noch mehr, nachdem wir alle drei nach einem wirklich langen Flug wieder gesund am Boden standen. Morgens um halb zehn schon so ein breites Grinsen im Gesicht. Danke.

 

Diese Ausrüstung war für die Hochtour dabei:

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2 Comments

  • Reply Oliver Februar 24, 2019 at 7:37 pm

    Das sah nach einer tollen Tour aus. Im Berner Oberland muss man also mal gewesen sein 🙂 Danke für den Beitrag
    Lg
    Oliver

  • Reply Sundisn66 Dezember 11, 2019 at 1:04 pm

    Super schöne Bilder – Wir planen auch eine Reise ins Berner Oberland. Schon haben wir ein Hotel in Adelboden gebucht und von dort aus möchten wir die Berge erkunden. Vielen Dank für die Inspiration und wir freuen uns schon auf die Reise… 😉

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