Meditierend auf keinen Gipfel (Skitour Siplingerkopf)

Januar 18, 2015

Allein auf Skitour ist für mich immer etwas besonderes. Es ist Meditation, Ruhe, Selbstverantwortung und das ganz eigene Tempo. Es ist die absolute Freiheit.

Ha, dann war es gestern die richtige Entscheidung. Dachte ich mir noch, als ich morgens aus dem Fenster blinzelte und vor Nebel kaum was sah. Wir hatten die Sonnenaufgangstour abgesagt, es war einfach zu dicke Bewölkung vorhergesagt. Halb verschlafen checkte ich die Webcam von Balderschwang, nur um sicher zu gehen, dass wir alles richtig gemacht hatten… Verdammt. VERDAMMT! Wie kann dort die Sonne so strahlen?!? 

Keine zwanzig Minuten später saß ich im Auto, ärgerlich, dass ich die Webcam nicht schon früher aufgerufen hatte. Zum Sonnenaufgang war ich natürlich schon viel zu spät, nur zum obligatorischen Touristen-Stau Richtung Oberstdorf war ich pünktlich. In Balderschwang gabs gerade noch einen Parkplatz, der Weg in Richtung Gipfel war bereits gesprenkelt mit schwarzen Punkten. Menschen. So. Viele. Menschen.

Meditation am Berg

Aufstieg zum Siplingerkopf/Heidenkopf über BalderschwangEgal, egal. Selber Schuld, wer nicht aus den Federn kommt. Ich genoss es, allein mein Tempo zu finden, Gruppe nach Gruppe zu überholen, die überraschend gute Kondition zu spüren. Skitourengehen ist sehr meditativ, viel mehr als das Laufen im Sommer. Womöglich, weil man nicht darauf achten muss, wohin genau man den nächsten Schritt setzt. Man entscheidet lediglich, in welchem Teil des Hangs man die Spur anlegt. Ich mag es, allein (“allein” trifft es bei dieser Tour jetzt irgendwie auch nicht…) unterwegs zu sein, speziell in solchen Gebieten, in denen die Gefahr eher gering ist. Es ist eine wunderbare Art der Meditation.

Muss man auf Gipfel steigen?

Winter im AllgäuEinige Meter unterhalb des völlig überlaufenen Gipfels fellte ich ab, dort war mir einfach zu viel los und ich war erst kürzlich schon mal oben. Außerdem konnte ich so noch unverfahrene Hänge erwischen. Ich musste daran denken, dass mein Vater mich manchmal fragt, ob ich eigentlich wegen des Fotografierens oder der Gipfel wegen in die Berge gehe. In diesem Fall zog ich die schönen Aufnahmen und die unverspurten Hänge dem Gipfel vor. Gehe ich also tatsächlich inzwischen der Fotos wegen in die Berge? Ist das eigentlich nicht irgendwie verwerflich?

 

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4 Comments

  • Reply Martin Januar 23, 2015 at 4:45 pm

    Wenn du dich am Gipfel bei den Menschenmassen nicht wohlfühlst und einfach irgendwo herumstreifst, wo du gute Fotos schießen kannst und du dich gut fühlst dabei, dann hast du alles richtig gemacht.

  • Reply Reiner Januar 26, 2015 at 4:26 pm

    dein Objektiv macht schöne Sonnenstrahlen 🙂

    • Reply ulligunde Januar 27, 2015 at 8:12 pm

      …und sie wären noch soooo viel schöner, wenn ich meine Linsen nicht immer sofort verkratzen würde. Doofrika live! Und ja, nächstes Mal gibts einen UV-Filter dazu, aber sowas von sicher!

  • Reply Reiner Januar 26, 2015 at 4:35 pm

    ah, wer braucht schon Gipfel. wenn es Powder gibt!

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