Nach der positiven Hüttenerfahrung am Mt. Anne gingen wir in die zweite Hütten-Runde: Die Wettervorhersage war laut der Dame im Visitor-Center für die kommenden drei Tage grausig: Kalt, Schnee bis runter auf 600Hm, starker Wind – dementsprechend verwirrt schaute sie, als wir uns daraufhin kurz angeschaut, angelacht und entschieden haben: „Sounds great! Let’s go!“. Auch die Warnung, dass in der ersten Hütte Ratten sind, schreckte uns nicht ab. Die Besucher die wir in dieser Nacht bekamen, sollten weit größer als Ratten werden…
Wir packten die besonderen Essensvorräte ein – Salat, Pilze, Karotten, Nüsse, Zwiebel, Knoblauch, Balsamico-soße für den ersten Gang, Couscous als zweiten, Bruschetta als dritten – nebenher die inzwischen standardmäßige heiße Milch und als Highlight eine Flasche Wein, zuzüglich noch die Zutaten für unser eigenes Brot, jede Menge Schokolade, Pancake-Zutaten etc etc etc. Mein Rucksack war schwerer als bisher beim Trekking, aber wir verzichteten auf die Zelte, in der Hoffnung, dass zumindest eine Hütte ähnlich gemütlich wie die am Mt. Anne sein würde.
Der Weg zog sich etwas, nicht zuletzt auf Grund des schneebedeckten Weges und dem Regen-Schnee-Mischmaschs, der uns ins Gesicht gepeischt wurde. Schneeballwerfend zogen wir zwei leuchtend rot/blau/orangene Gestalten in kompletter Regenmontur durch diese unwirkliche Landschaft und waren wiedermal von den Farben, eigentlich viel mehr von den „Nicht-Farben“ beeindruckt. Der Schnee und der Nebel schluckten sämtliche Kolorierungen, übrig blieb nur noch eine spannende schwarz-grau-weiß-Landschaft.
Man kann nicht immer nur Glück haben: An der Hütte endlich angekommen hatte diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient. Es war viel mehr ein Wellblechverschlag durch den durch alle Ritzen nach draußen schauen konnte – und der vermeintliche „Staub“ der auf den Britschen und dem Boden lag stellte sich schnell als Schnee heraus – hereingeweht durchs Dach. Weiterlaufen? Zu spät – …und wir haben doch gute Schlafsäcke… Also Schnee von den Britschen weggefegt, ein provisorisches zweites Dach mit übrigen Wellblechen aufgebaut, noch ein bisschen mit Handtüchern und Tüten abgedichtet – et voilá: Ein Bett, sogar mit direkter Seesicht. Die Temperaturen lagen bei etwa -6° was uns schnell in die Schlafsäcke trieb. Gekocht, gegessen, Geschirr gespült wurde alles „im Bett“, dem einzigen Platz in der Hütte, in der man nicht mit Schnee berieselt wurde 🙂
Ich war schon die ganze Reise dem guten Sport-Schmidt-Verkäufer dankbar, der mich zum wärmeren Schlafsack mit Schlaftemperatur bis -12° überredet hatte – aber in dieser Hütte noch ein ganzes Stück mehr. Die Nacht war so schon fast angenehm und ich hätte sicher wunderbar durchgeschlafen, wären wir nicht von einem monströsen Possum besucht worden. Natürlich hatten wir unsere Essensvorräte weit oben aufgehängt – aber mit so einem großen Tier hatten wir irgendwie nicht gerechnet. Christian baute ritterlich eine neue Hängevorrichtung aus Stripes und Seilen. Die Kamera lag in dem Moment leider gut geschützt im Rucksack – auf der anderen Seite der Hütte. Bilder gibts davon also keine – aber es war wirklich groß 😉
Am nächsten Morgen hatte draußen gute 15-20cm Neuschnee (in der Hütte etwas weniger ;)), allerdings erwartete uns innen noch eine ganz andere Überraschung: Die Schuhe waren komplett durchgefroren, unmöglich sie zu biegen. Ich hatte dummerweise die Schnürsenkel nicht weit geöffnet und so musste ich erst die Bändel aufwärmen, um überhaupt den Schuh öffnen zu können. Aber es gibt immer auch etwas Positives: Durch das Einfrieren wurde den Schuhen das Wasser entzogen – die Eisschicht hatte sich außen gebildet, innen waren sie nur hundskalt 🙂
Wir verließen Mittags dieses „lauschige“ Plätzchen und liefen als einsame Wanderer gemütlich in dieser schon fast weihnachtlichen Winterlandschaft zur nächsten Hütte. Viel schneller als erwartet erreichten wir sie – und waren begeistert! Ein richtiges Vordach, abermals direkt am See, einer Art Couch – und sogar mit Ofen. OOOOFEEEN.
Fertiges Feuerholz gabs keins -also verbrachten wir noch eine Stunde beim Holz sammeln. Machte gar nichts – die Sonne kam heraus und es machte Spaß durch den frischen Pulverschnee zu springen. Kulinarisch gabs nachmittags Pancakes mit echten Kokosstückchen (Christian hatte auf Fiji gelernt eine Kokosnuss nur mit einem Stein zu öffnen, das musste ja bewiesen werden), Rohrzucker, Banane, Ovomaltine und Apfel und abends mal wieder selbstgemachtes Brot direkt vom Feuer, diesmal mit Tomate-Käse-Füllung.
Die Tage in den Hütten waren nicht groß spektakulär – sie bestanden mehr aus gemütlich Buch lesen, Kochen und viel Schlafen. Die Wettervorhersage war für ganz Tasmanien bescheiden und so konnten wir neue Kraft für den letzten großen Track sammeln. Dazu aber im nächsten Blog mehr 😉
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