Kann man machen… (Brienzergrat, BEO Teil 1)

Juli 11, 2017

Das Allgäu ist ja bekannt für seine Graskletterei. Grasgrate, Grashänge, Grasschneiden. Um auch mal was Neues zu sehen, ging es 300 Kilometer in den Westen ins Berner Oberland. Gletscher, Viertausender, Fels! Zwei Landesgrenzen und drei Dosen RedBull später erwartete uns zur Überraschung: Ein Grat aus Gras.

Die Lady an der Rezeption schaute mich etwas entsetzt an, als ich fragte, ob man den Brienzergrat auch bei Nässe macht. Während draußen fröhlich der Regen auf die Hotelterrasse plätscherte, bestätigte sie mir, was im Allgäu jedes Kind lernt: Bei Regen lässt man die Finger von Höfats und Co. Der Plan stand aber ziemlich fix und gleich am ersten Tag mit fremden, deutlich bergerfahreneren Leuten will man ja auch kein Angsthase sein. Immerhin hatte der Wetterbericht für Abends Aufklarung und für den nächsten Tag sogar puren Sonnenschein vorhergesagt. Wird schon.

Wird schon?

Wurde es nicht. Im Nebel und Matsch ging es also über den für seinen Aus- und vor allem Tiefblick berühmten Brienzergrat. Anfangs noch über markierte Wege, bald durch Gras. Nasses Gras. Steiles Gras. Und immer noch steileres Gras. Immerhin sah man nicht, wie weit man purzeln würde. Zum Abendessen gab es im diffusen Stirnlampen-durch-Nebel-Schein neben klatschnassen Klamotten überraschend gutes Trockenfutter (Blaband, oder lags am Hunger?), die Nacht war dank des Nebels still und stumm. Ebenso der nächste Morgen, denn von Wetterbesserung war keine Spur. Auch nicht nach einigen Stunden Wartezeit.

Weiter…?

Im Nebel ging es also weiter, der Matsch war garstig, die Flanken steil und mein Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, immer größer. Abrechen? Gleich bei der „Eingehtour“ für die großen Berge? Ist es nur Kopf oder ist es ernsthaft begründete Angst? Wie weit geht meine Verpflichtung als „Model“? Der genauere Blick in die Karte zeigte, dass jede Alternative im Tal nicht nur sehr viele Kilometer, sondern vor allem auch viele Höhenmeter bedeutet. Also weiter. Ich kann das schon.

Endlich besseres Wetter

Gegen Mittag klarte es doch noch auf, unerschrockene Steinböcke wiesen den Weg. Der Grat wurde breiter, der Pfad ausgetretener und immer größere Fetzen von blauem Himmel nahmen langsam die Anspannung. Der letzte Aufstieg zum Augstmatthorn forderte noch eine letzte unangenehme Stelle, dann war es vorbei.

Brienzergrat – ein Fazit

Bei Sicht und trockenen Verhältnissen garantiert ein sensationeller Grat mit freiem Blick auf all die berühmten Viertausender des Berner Oberlandes. Bei Nässe, Nebel und Regen hingegen wohl eher was für den ambitionierten Allgäuer, der sonst schon alles gesehen hat.

Fotos ohne Ulligunde-Logo mit freundlicher Genehmigung von Ralf Gantzhorn. Die Galerie mit seinen Bildern findet sich am Ende dieses Artikels.

Danke an dieser Stelle an VAUDE, LOWA, PETZL und MOUNTAIN EQUIPMENT, die mir sehr kurzfristig noch Ausrüstung stellten. Danke für diese schöne Zusammenarbeit!

 

 

Fotos von Ralf Gantzhorn:

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2 Comments

  • Reply Erik Juli 12, 2017 at 9:18 am

    West und Ost sind für euch Frauen so wie Links und Rechts gell? 😉
    Schöner Blog ist das hier. Nette Geschichten und tolle Bilder.
    BTW: Gestern ist mein Ortovox Trad35 angekommen… Schickes Teil! Danke für den Tipp.

    • Reply ulligunde Juli 12, 2017 at 2:32 pm

      Haaaaaaaaaahahahaha, oh noooo! Habe ich sofort korrigiert, vielen Dank für den Hinweis :’D 😀

      Viel Spaß mit dem Trad! Gutes Teil, immer noch!
      LG 🙂
      Erika

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