Feierabendkraxelei: Burgberger Hörnle und Stuhlwandgrat

Juni 14, 2013

Eine der großartigsten Feierabendrunden, die mir hier im Allgäu bisher unter die Füße gekommen ist!

Stuhlwandgrat von NordenEs gibt Tourenverläufe, die in kaum einem Wanderführer dokumentiert sind. Nach fast fünf Jahren hier im Allgäu bin ich natürlich aus der Sicht der „Eingeborenen“ bestenfalls akzeptiert und beim besten Willen nicht einheimisch – schließlich verbrachte ich einen Großteil davon auch noch in Kempten, was unter Allgäuern nicht wirklich zum Allgäu gehört. Klingt unlogisch, ist es auch – aber wir sind hier ja schließlich in Bayern. Dennoch wächst das Netzwerk hier (und die Höhenangst ist seit Anfang des Jahres irgendwie weg) und so wurde ich auf die Idee der „großen Runde“ gebracht. Sie verläuft grob von Burgberg über das Burgberger Hörnle und weiter zur Grüntenhütte – und von dort über den zugegebenermaßen recht exponierten Stuhlwandgrat zurück.

Ich und Vorurteile? Niemals!

FeierabendkollegenAm vergangenen Mittwoch entschieden wir uns recht spontan für diese Aktion. Mit von der Partie war noch ein Arbeitskollege, der sich normalerweise am liebsten an Stahlseilen emporhangelt – ein Klettersteiggeher durch und durch. Ehrlich gesagt war ich mir nicht ganz sicher, wie gut sich „so jemand“ am Fels bewegen kann (in meinem Kopf schwirrt bei sowas immer ein Bild von ungeschickten, wenig sportlichen Leuten herum, die sich verzweifelt an das Steilseil krallen), also kam sicherheitshalber Gurt und kurzes Seil in den Rucksack.

Nach einer knappen Stunde standen wir bereits auf dem Burgberger Hörnle – immer wieder ein wirklich großartiger Ausblick. Von dort oben sieht unser kleines Dorf aus wie gemalt – ein paar wenige Häuser, eine Kirche und ringsherum Kuhweiden, die von mäandernden Bächen durchzogen werden. Schon schön!

Schlüsselstelle am StuhlwandgratNach einer kurzen Pause ging es vorbei am Grüntenhaus, auf dessen Terrasse der Wirt uns zu einem Bier überreden wollte. In weiser Voraussicht hatten wir in dieser Sache allerdings schon selbst vorgesorgt – ohne wäre es ja quasi keine standesgemäße Feierabendrunde. Kurze Zeit später standen wir etwas unschlüssig vor dem Grat. Über den Rückweg zum Auto hatte ich mich im Vorhinein bei Einheimischen (äh, Akzeptierten) noch informiert – wo man aber auf den Grat steigt, das hatte ich nicht gefragt. Clever! Letztendlich stiegen wir einfach irgendwo recht bald hoch und waren sofort mittendrin. Der Grat ist die perfekte Übungsstrecke für alpine Unternehmungen – größtenteils so schmal, dass man immer entweder links oder rechts daran klettern muss – selten kann man oben wirklich stehen. Selbst eine grifflose Querung machte Pat, der Klettersteig-Fan, ohne Probleme. Überhaupt stellte er sich so gut an, dass ich mich sputen musste, mit seinem Tempo mithalten zu können. Nach einer grifflosen Querung auf einem schmalen Band entschieden wir uns aber doch fürs Seil (Sicherheit vor Facebook-Ruhm) und so ging es schön konzentriert immer weiter. Im einsetzenden Sonnenuntergang erreichten wir den Funkenplatz und konnten endlich das verdiente Feierabendbier genießen. Was für ein Ausblick! Was für eine Tour! Und der Abstieg war dank der guten Beschreibung von den drei Leuten gut zu finden.

Facts

Der Stuhlwandgrat hält meiner Meinung nach schon ein, zwei Stellen im dritten Grad bereit – allerdings ist das Gestein größtenteils überraschend fest. Ein Ausbruch wäre aber größtenteils folgenreich. Höhenangst sollte man hier nicht haben. Rückzugsmöglichkeiten gibt es im mittleren, exponiertesten Teil eigentlich nur per Abseilen. Evtl. wäre er in der anderen Richtung angenehmer, dafür wäre der Abstieg beim Burgberger Hörnle dann nicht so schön.

 

Und ganz zum Schluss noch ein Lob an den Klettersteigler: Ihr seid ja gar nicht so übel am Fels! Respekt! 😉

Der Experte für Outdoor und Touren

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3 Comments

  • Reply Der ders Tuat Juli 2, 2014 at 6:15 pm

    Du bist echt nicht ganz sauber des hier zu posten!! Des da no mehr los is oder was??

    • Reply ulligunde Juli 6, 2014 at 7:13 pm

      Hallo Unbekannter,

      ich freu mich über deine Kritik, denn scheinbar wirkt mein Blog so dermaßen erfolgreich, dass du dir Sorgen machst, dass bald die halbe Welt am Grünten unterwegs sein wird! Keine Sorge, so viele lesen nicht mit. Und für die paar gibts im Allgäu glaub schon noch Platz genug.

    • Reply Casa Nova Oktober 11, 2018 at 10:18 am

      Schon wieder so ein Würstchen, was meint, die Berge respektive schöne Kletterstellen gehören nur ihm alleine … armselig!
      Ich fand den Bericht sehr interessant – danke!

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