Respekt vor Menschen, Rücksicht auf Natur, nachhaltige Produktion, gerechte Löhne, Schutz der Umwelt, kurze Lieferwege, faire Arbeitsbedingungen, biologische Materialien… Wer die Unternehmensbeschreibung der Marke “Monkee” bzw “Monkeeclothing” liest, fühlt sich kurz mal in eine perfekte kleine Welt versetzt, denn die Dichte der positiven Grundeinstellung dieser Kletterklamottenmarke ist so überwältigend, dass das Wort “Greenwashing” schnell in den Kopf blitzt. Ebenso schnell ist es allerdings auch wieder verflogen, denn die zahlreichen Auszeichnungen und Kooperationen sprechen für sich.
Der Welt den eigenen Lifestyle präsentieren
75€ für eine kurze Hose sprechen allerdings auch eine Botschaft aus – sind 75€ nun der Preis für faire Herstellung und ein junges Label, das überleben möchte? Oder hat Monkee – wie einige andere “Klettermarken” – gemerkt, dass viele Leute in der Szene das Geld locker sitzen haben, wenn es darum geht, der restlichen Welt den eigenen Lifestyle zu präsentieren? Schon möglich, dass ein bisschen Stoff tatsächlich so teuer ist, wenn man biologische Materialien benützt, in europäischen Ländern mit fairen Löhnen produzieren und dann auch noch davon leben möchte. Andererseits gibt es viele Produkte, die garantiert weder in Europa noch zu fairen Löhnen produziert wurden. Bei einer Jacke, die über 500€ kostet, fällt es mir schwer zu glauben, dass dieser Preis irgendwie gerechtfertigt ist. Viel mehr glaube ich, dass es eine Sache von Preiselastizität ist. Für jemanden, der etwas Bestimmtes aussagen möchte, sei es nun, dass er Geld hat oder mordsaktiv in den Bergen ist, mögen 500€ offenbar noch vertretbar sein, sonst würden nicht so viele Leute in der Stadt so unglaublich teure Jacken tragen. Ich fass mir hier selbst an die Nase, immerhin trage ich selbst eine Jacke von Haglöfs, obwohl ich weder in Patagonien noch in den Nordwänden der Alpen herumturne, wo man diese hochwertigen Kleidungsstücke möglicherweise tatsächlich brauchen könnte (wie haben die Jungs von früher das eigentlich geschafft?!)… Dennoch, das geringe Gewicht und die Robustheit dieser Jacken sind zumindest Faktoren, die einem zugute kommt, auch wenn man “nur” den Via Alpina läuft oder auf Skitouren geht. Wenn ein Plastikhemdchen schlappe 60€ kostet, bloß weil es von einer “Klettermarke” (Prana) ist, bleibt mir doch der Mund offen stehen. Was für intergalaktische Vorzüge muss ein bisschen Stoff haben, um diesen Preis zu rechtfertigen?
Den anderen nicht immer gefallen zu müssen… Wäre das nicht erstrebenswert?
Im Grunde widerspricht das Ganze der eigentlichen Klettermoral, denn in dem Sport ging es zumindest bisher eher darum, sich in einer Gemeinschaft den Herausforderungen zu stellen und seine Grenzen zu verschieben – definitiv nicht um’s gute Aussehen. Im Gegenteil, wenn man sich gute Kletterer anschaut, tragen sie meistens eher verschlissene Klamotten ohne großes Branding, außer sie werden eben von einer Marke gesponsert. In der Kunstwand fällt mir das immer wieder ganz besonders auf, die Dichte dieser großen Sprüche („climb hard, feel better“) oder eindeutigen Bilder ist viel größer als an anspruchsvollen Felswänden, so kommt es mir zumindest vor. Warum ist das so? Vielleicht sind in den Kletterhallen vorwiegen Leute, die erst damit angefangen haben und der Umgebung unbedingt von ihrer neuen Leidenschaft erzählen wollen. „Schau her, was für eine coole Sportart ich betreibe – schaut, was für ´ne mutige Socke ich bin!“. Leute, die an anspruchsvolleren Felsen klettern tun das meistens schon länger, vielleicht haben sie es deshalb nicht mehr nötig, ihre Sportart zu kommunizieren, weil es eh schon jeder weiß. Allerdings habe ich vielmehr das Gefühl, dass sie es einfach nicht nötig haben: Sie erfreuen sich einfach an dem gemeinsamen Erleben und dem Verschieben eigener Grenzen und sind glücklich, wenn sie das tun können, was sie gerne machen – ganz ohne darauf zu achten, was die anderen von ihnen denken. Ist das nicht erstrebenswert? Nach dem eigenen, individuellen Glück zu suchen, völlig losgelöst von der Doktrin, den anderen immer zu 110% gefallen zu wollen und immer den bestmöglichen Eindruck zu machen.
Die Ubwuzu Short von Monkee: der Hammer
Naja, wie auch immer, jedenfalls haben mir die Bergfreunde.de freundlicherweise eine Monkee-Hose zur Verfügung gestellt und ich muss leider zugeben: Sie ist der Hammer. Es dürfte ja inzwischen bekannt sein, dass ich auf knallige Farben stehe und Lila ist momentan direkt hinter Türkis auf Platz 2 der absoluten Favorites. Durch den elastischen Bund passt sich die Hose perfekt an und macht wirklich jede noch so weite Bewegung mit. Und mit der kleinen Gummischlaufe am Bein hat man für den Notfall auch immer noch einen Stift (Stadt) oder eben eine Bürste (Bouldern) griffbereit. Rundum eine grandiose Hose, nur eines muss ich zugeben: Ich habe inzwischen das Monkee-Emblem weggeschnitten, denn auch ich achte auf die Botschaft meiner Klamotten. Und ich möchte weder groß hinausposaunen, dass ich regulär 75€ für die Hose gezahlt hätte, noch dass ich mir gerne an rauem Stein die Finger zerstöre. Denn mir persönlich geht es nicht darum, dass die Leute in der Stadt wissen, was ich gerne mache. Es reicht völlig, wenn das meine Freunde und ich wissen und wir weiterhin gemeinsam viel Spaß dabei haben. Wenn ich damit noch eine Marke unterstützen kann, die auf Nachhaltigkeit Wert legt, umso besser.
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Was!?!?! Du hast bei der 75 Euro Hose das Emblem weggeschnitten??? Bist du des Wahnsinns?
Nein, im Ernst: Schöner Testbericht der auch zum Nachdenken anregt. Das Thema “Der Welt den eigenen Lifestyle präsentieren” ist auf den ganzen Outdoor-Bereich übertragbar. Einige Unternehmen haben den Trend erkannt und sprechen gezielt diese neue Zielgruppe an. Yeti ist da sicherlich ein gutes Beispiel. Und erst gestern habe ich einen Artikel über einen Outdoor-Premium Store geschrieben, der diese Zielgruppe anspricht. Es gibt halt viele Leute, die die Klamotten nicht wie wir aus Überzeugung und wegen der Funktion tragen, sondern um “Hipp” zu sein oder um etwas zu verkörpern, was sie nicht sind.
“Den anderen nicht immer gefallen zu müssen… Wäre das nicht erstrebenswert?”
Darauf angesprochen, geht es ja den meisten in erster Linie darum, sich selber zu gefallen. Wobei ich mich frage, warum dabei die “richtige” Kleidung so ausschlaggebend ist. Aber die eigene, wahre Persönlichkeit ist im Spiegel ja nie so schnell zu erkennen.
Ein schöner Beitrag, vielen Dank dafür.